Abkommen zwischen Deutschland und Liechtenstein
Steueroasen trocknen langsam aus

Deutschland zieht die Schlinge um mutmaßliche Steuerflüchtlinge weiter zu. Mit dem Fürstentum Liechtenstein hat die Bundesregierung nun ein Abkommen über den Informationsaustausch bei Steuerdelikten unterzeichnet. Es soll auch einen Schlussstrich unter eine Affäre ziehen, die das Verhältnis beider Länder stark belastet hat.

VADUZ. Das Fürstentum Liechtenstein wird ab 2010 auch bei begründetem Verdacht auf Steuerhinterziehung vertrauliche Bankdaten an die deutschen Steuerfahnder liefern. Bislang galt das nur für den nachgewiesenen Steuerbetrug. Eine ähnliche Regelung strebt die Bundesregierung auch mit der Schweiz an. In der nächsten Woche sollen die Verhandlungen über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen mit den Eidgenossen beginnen.

Die Schweiz und Liechtenstein haben sich im März auf starken internationalen Druck zu den Regeln der Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) bekannt. Andere Steueroasen folgten auf dem Fuß. Seitdem gibt es kaum noch Länder, die Steuersündern eine Fluchtburg bieten.

Im Visier der Steuerfahnder stehen lediglich noch einige exotische Steuerparadiese wie Panama, Macao und Hongkong. Die beiden letzteren konnten sich auf politischen Druck Chinas aus der Schusslinie retten. Auch der US-Bundesstaat Delaware steht im Verdacht, dubiose Steuervergünstigungen anzubieten, konnte sich aber bisher hinter dem Rücken der amerikanischen Regierung verstecken. Großbritannien hat hingegen seine Steuerinseln Jersey und Guernsey an die Kette gelegt. Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft haben die Bundesbürger bis zu 400 Mrd. Euro Schwarzgeld im Ausland versteckt. Ein großer Teil davon soll in Liechtenstein, der Schweiz und Luxemburg liegen.

Im Frühjahr 2008 waren deutsche Steuerfahnder an einen Datensatz mit vertraulichen Bankdaten aus dem Fürstentum gekommen. Dadurch wurden zahlreiche Steuerhinterziehungen aufgedeckt, darunter auch jene von Klaus Zumwinkel. Der ehemalige Postchef wurde wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Das neue Abkommen soll nun einen Schlussstrich unter eine Affäre ziehen, die das Verhältnis zwischen dem Fürstentum und Deutschland stark belastet hat. "Der Vertrag mit Deutschland zeigt, dass wir jetzt unseren Worten auch Taten folgen lassen", sagte Klaus Tschütscher, Regierungschef von Lichtenstein. Beifall kam auch von deutscher Seite: "Ich habe den Eindruck, dass Liechtenstein eine neue Politik in Angriff genommen hat", sagte der deutsche Botschafter, Axel Berg.

Seite 1:

Steueroasen trocknen langsam aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%