Ablehnung im Ausland
Moskaus Firmen gehen auf Einkaufstour

Russlands Wirtschaft spannt die Muskeln an. Nie zuvor drängten russische Unternehmen mit einer solchen Macht und überaus selbstbewusst auf den Weltmarkt. Ihre Einkaufstour trifft im Ausland aber nicht immer auf Begeisterung.

MOSKAU. Tony Thompson, Chef von KPMG in Russland, fragte bei seinem letzten Besuch in London seine Kollegen ganz unschuldig, wie sie aus der Distanz die russische Geschäftswelt charakterisieren würden. Die Antwort war eindeutig: „gefährlich, unvorhersehbar, seltsam“. Beim Gedanken an die russischen Unternehmen hätten die Berater ein sehr konkretes Bild im Kopf, berichtet Tony Thompson: „ein wütend durchs Gehölz preschendes Nashorn“.

Dabei stehen Thompsons Londoner Kollegen mit dieser Einstellung nicht alleine. Als durchsickerte, dass der russische Mischkonzern Sistema eine Beteiligung an der Deutschen Telekom anpeilt, blieb die Reaktion auf deutscher Seite eisenhart. Aufsichtsratskreise ließen sich gar mit Äußerungen wie „Industrieimperialismus“ in der deutschen Presse zitieren. Der Fall Sistema steht für viele und zeigt zwei Trends auf: Die russische Wirtschaft läuft rund. Nie zuvor drängten russische Unternehmen mit einer solchen Macht und überaus selbstbewusst auf den Weltmarkt.

Und: Sie treffen dort trotz der ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen auf eine zunehmend feindliche Stimmung – ihren eigenen Ambitionen und ihrer Heimat insgesamt gegenüber. Gerade letzteres gilt vor allem in Europa.

Russland, schuldenfrei und mit Devisenreserven von 265 Milliarden Dollar im Rücken, spannt derzeit seine wirtschaftlichen und politischen Muskeln. Die Regierung fährt in der Außenpolitik einen Kurs, der stärker als bisher auf die eigenen Interessen ausgerichtet ist und setzt innenpolitisch unbeirrt durch Kritik aus dem Westen ihre Vorstellungen um – auch in der Wirtschaft, in der der Einfluss des Staates stetig gewachsen ist.

Diese postsowjetische Industriepolitik hat bereits ihren Preis gefordert: In einer regelmäßig von der Weltbank erstellten Liste über den Stand von Wirtschaftsreformen ist Russland merklich zurückgefallen. Unter den 175 bewerteten Ländern liegt das Land derzeit auf Rang 96 – im Vorjahr konnte es noch auf Position 79 klettern. Dem Index zufolge ist erstmalig China an Russland vorbeigezogen. In den vergangenen zwei Jahren habe sich der Reformprozess in Russland eindeutig verlangsamt, urteilt Simeon Djankow, einer der Autoren der Studie. Auch die OECD äußert sich in ihrem Länderbericht ausgesprochen kritisch. (Siehe: "Der Wachstumsmarkt Russland lockt deutsche Unternehmen an")

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