Abschottung nach Freilassung
Osthoff bittet Deutsche um Verständnis

Als Konsequenz aus der Entführung von Susanne Osthoff hat das Auswärtige Amt alle Deutschen zur Ausreise aus dem Irak aufgefordert. Osthoff selbst hält sich weiterhin in Bagdad auf. Sie bat erneut um Verständnis dafür, die nächsten Tage „alleine und abgeschieden von der Öffentlichkeit mit ihrer Tochter zu verbringen“.

HB BERLIN. Wie ein Ministeriumssprecher in Berlin sagte, werde die Archäologin den Irak aber „in allernächster Zukunft verlassen“. Ihr Reiseziel bleibe allein ihrer persönlichen Entscheidung überlassen. Die 43-Jährige bitte die deutsche Öffentlichkeit um Verständnis dafür, dass sie die nächsten Tage „allein und in Abgeschiedenheit“ von der Öffentlichkeit mit ihrer Tochter verbringen wolle, bekräftigte der Sprecher.

Er hoffe, dass die Lehre aus dem Fall Osthoff gezogen werde, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, im NDR. „Deswegen hat das Auswärtige Amt noch einmal sehr eindringlich darauf hingewiesen, dass deutsche Staatsangehörige das Land dringend verlassen sollten; dass das Risiko von Entführungen sehr hoch ist und dass das ja nicht immer so ausgeht wie im Fall Osthoff.“

Der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, kritisierte ein „Sozialversicherungsdenken“ mancher deutscher Bürger im Ausland. Wer sich in Gefahr gebe, müsse das Risiko kennen, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. „Man erwartet ja immer eine Rundumversicherung des Staates, aber Wunder können wir nicht bewirken“.

Derzeit leben noch rund 100 Deutsche im Irak, die meisten von ihnen wegen familiärer Bindungen. Außerdem halten sich einige deutsche Diplomaten in Bagdad auf. Deutsche Aufbauhelfer oder Mitarbeiter humanitärer Organisationen sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes so gut wie nicht mehr im Irak - und wenn sie einreisen, dann nur für möglichst kurze Zeit.

"Osthoff soll weitermachen"

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland forderte Osthoff auf, ihre Arbeit im Irak nach einer Erholungsphase wieder aufzunehmen. „Ich hätte Verständnis dafür, dass sie ein paar Wochen Urlaub in Deutschland macht und Lebenskraft schöpft - um sich danach wieder für den Irak einzusetzen. Wir dürfen unsere Stellung nicht aufgeben wegen des terroristischen Drucks“, sagte der Ratsvorsitzende Nadeem Elyas dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dies gelte auch für andere ausländische Helfer. „Wo kämen wir hin, wenn jede Möglichkeit einer Gefahr ein Grund dafür sein soll, dass der menschliche Einsatz unterbunden würde.“

Das Auswärtige Amt hatte am Sonntag die Freilassung Osthoffs bekannt gegeben. Seitdem befindet sie sich in Obhut der deutschen Botschaft in Bagdad. Zu den näheren Umständen der Beendigung der Geiselnahme äußerte sich die Regierung bisher nicht. Unklar ist weiterhin, wer die Deutsche entführt hatte, ob ein Lösegeld gezahlt worden ist oder den Entführern andere Zugeständnisse gemacht worden sind.

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