Abu Dhabi
Paris zeigt Präsenz am Golf ein

Präsident Nicolas Sarkozy hat gestern den ersten französischen Militärstützpunkt am Persischen Golf eingeweiht. Er liegt in den Vereinigten Arabischen Emiraten direkt gegenüber dem Iran. Ab Juli will die französische Armee auf dem Stützpunkt in der strategisch bedeutsamen Meerenge von Hormus rund 400 Soldaten stationieren.

PARIS. Für Frankreich ist es die erste ständige Basis, die die Armee seit 50 Jahren außerhalb seines eigenen Territoriums eröffnet. Damit wächst der Einfluss der „Grand Nation“ in der Golfregion.

„Frankreich hat die Absicht zur Stabilität dieser Region beizutragen, welche für das Gleichgewicht der Welt wesentlich ist“, sagte Sarkozy. Damit installiert sich Frankreich als zusätzliche Macht neben Amerikanern und Briten in der öl- und gasreichen Golfregion. Durch die Meerenge werden 40 Prozent des gesamten Erdöls weltweit transportiert. Schon mehrmals kam es dort zu Zwischenfällen mit der iranischen Marine. Die französischen Soldaten sollen nun mit für die Sicherung des Schiffsverkehrs im Persischen Golf sorgen. Schon in den nächsten Wochen sollen dort die ersten Kriegsschiffe eintreffen. Der Stützpunkt ist zudem für den Kampf gegen somalische Piraten gedacht und steht der Luftwaffe und für die Ausbildung von Landstreitkräften zu Verfügung.

Die 55 Hektar große Militärbasis mit Namen „Friedenslager“ entstand auf Initiative Abu Dhabis und wurde innerhalb von anderthalb Jahren fertig gestellt. Für die Arabischen Emirate bedeutet die militärische und politische Einflussnahme der Franzosen, dass sie in puncto Sicherheit nicht länger allein alles auf eine Karte setzen: Sie holen sich neben den Amerikanern, die über zahlreiche Militärstützpunkte in der Region verfügen, Frankreich zusätzlich als Sicherheitsgarant ins Land. Der Stützpunkt liegt nur 225 Kilometer oder zehn Flugminuten vom Iran entfernt, der seine arabischen Nachbarn mit seinem militärischen Raketen- und Atomprogramm verschreckt. Für den Fall eines Konflikts hat Sarkozy schon eine klare Antwort bereit: „Wenn Iran die Emirate angreift, werden auch wir angegriffen“.

Die Militärbasis ist zudem als Beweis für die Ambitionen Frankreichs zu werten, seinen Einfluss in der Region zu stärken und sich neben den Amerikanern als ernst zu nehmender strategischer Partner zu etablieren. Dabei geht es nicht nur um militärische, sondern auch um wirtschaftliche Interessen in der aufstrebenden Region.

Sarkozy, der schon am Montag in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingetroffen war, hatte 18 französische Firmenchefs, darunter von Dassault, EADS und Areva, mitgenommen. Der Staatspräsident besuchte dort auch den Luftwaffenstützpunkt Al Dhafra, auf dem amerikanische und französische Kampfflugzeuge stationiert sind.

Dabei warb Sarkozy für das französische Kampfflugzeug Rafale von Dassault. Bisher konnte trotz großer Bemühungen für die Flugzeuge außerhalb von Frankreich kein Abnehmer gefunden werden. Zur Zeit verhandelt Frankreich mit den Emiraten über den Kauf von 60 Rafale-Jets im Wert von sechs bis acht Milliarden Euro. Schon vor einigen Jahren hatten die Emirate 60 Düsenjäger vom Typ Mirage und 400 Panzer in Paris bestellt.

Außerdem stand der mögliche Bau eines Atomkraftwerkes in naher Zukunft auf dem Programm. Frankreich, das als weltweit führend in dem Bereich der Atomtechnologie gilt, hofft seine Atomkraftwerke in die Region zu exportieren, die einen großen Energiebedarf hat. Der Auftrag für „mehr als zwei“ Europäische Druckwasserreaktoren (EPR) wäre laut Elysée „zwischen 25 und 50 Mrd. Euro wert“. Die Entscheidung wird Mitte September erwartet. Im vergangenen Jahr hatte Sarkozy bei seinem Besuch in den Emiraten schon ein Abkommen über Zusammenarbeit bei der zivilen Nuklearenergie unterzeichnet.

Wie weit die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Frankreich und den Emiraten gehen kann, zeigt ein Kooperationsabkommen, dass der französische Staatsfonds FSI (Fonds Stratégique d´Investissement) und die Investmentgesellschaft Mubadala aus Abu Dhabi gestern geschlossen haben. Der Krisenhilfsfonds und Mubadala verständigten sich darauf, gemeinsam in französische Unternehmen investieren zu können.

Doch nicht nur in Sachen Wirtschaft und Finanzen schreitet der Austausch voran: In Abu Dhabi läuft zudem der Bau eines Ablegers des Pariser Louvre-Museums an. Der futuristische „Louvre Abu Dhabi“, der von dem französischen Stararchitekten Jean Nouvel gebaut wird, soll 2012 fertiggestellt sein. Das Emirat bezahlt 400 Mio. Euro für die Nutzung des Markennamens des bekannten Museums und hundert Kunstwerke, die die Pariser für begrenzte Zeit an den Wüstenstaat ausleihen. So zeigt Frankreich nicht nur militärisch und wirtschaftlich Präsenz, sondern auch kulturell.

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