"Adios IDS"
Tories stürzen ihren Parteichef

90 der 165 konservativen Unterhausabgeordneten entzogen Oppositionsführer Duncan Smith in einer Abstimmung das Vertrauen, 75 votierten für ihn. Damit muss die Partei, die unter Margaret Thatcher und John Major 18 Jahre lang regierte, zum dritten Mal in sechs Jahren eine neue Führungspersönlichkeit suchen. Major war 1997 zurückgetreten, sein Nachfolger William Hague 2001. Beide waren von dem Labour-Politiker Tony Blair haushoch geschlagen worden.

HB LONDON. Duncan Smith war dazu gezwungen worden, die Vertrauensfrage zu stellen, nachdem am Dienstag die dafür nötige Mindestzahl von 25 Anträgen aus der Fraktion eingegangen war. Der erklärte Euroskeptiker, der die Europäische Union einmal als Mittel zu einer deutschen Vorherrschaft über Europa bezeichnet hatte, war vor zwei Jahren von den etwa 300 000 Parteimitgliedern gewählt worden. In der Fraktion fand er nie großen Anklang, und in der Bevölkerung genoss er Umfragen zufolge ebenfalls kaum Sympathien.

Trotz der Probleme von Premierminister Blair durch den Irak-Krieg galt es allgemein als sicher, dass die Konservativen mit dem unpopulären Duncan Smith an der Spitze auf eine dritte Wahlniederlage gegen Labour zusteuerten. Unter anderem galt der ehemalige Offizier als schlechter Redner, weshalb er nach Meinung seiner Kritiker oft eine schlechte Figur beim Schlagabtausch mit Blair abgab. Um deutlich zu machen, dass es bei ihm mehr auf die Inhalte ankomme, bezeichnete er sich selbst als den „stillen Mann“.

Als ungeschickt galt sein Auftreten in einer Reihe von Interviews, bei denen er seinen Kritikern drohte und dabei so tat, als würde er Revolver ziehen: „Ich war in der Armee, und ich weiß, wie man diese Dinger benutzt.“ Das kostete ihn die Unterstützung wichtiger finanzieller Förderer der Partei.

In diesem Monat erhöhte sich der Druck auf Duncan Smith, als herauskam, dass er seine Frau vorübergehend als Sekretärin angestellt und sie mit Steuergeldern bezahlt hatte. Ein Beauftragter des Parlaments untersucht derzeit, ob sie eine ausreichende Zahl von Stunden gearbeitet hat, um die Bezahlung zu rechtfertigen. Nach ihrem Vornamen Elizabeth hat die Affäre in der britischen Presse den Namen „Betsygate“ bekommen. An der Abwahl von „IDS“, wie er nach seinen Initialen genannt wird, hatte am Mittwoch kaum noch jemand gezweifelt. So titelte die „Sun“ bereits am Morgen: „Adios IDS“.

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