Ägypten
Demonstranten misstrauen Zusagen des Militär

Das ägyptische Militär hat angekündigt, die Macht in die Hände einer zivilen Regierung legen zu wollen. Trotzdem halten die wütenden Proteste an - die Demonstranten wollen mehr.
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KairoKairo kommt nicht zur Ruhe. Trotz der Zusage eines vorgezogenen Machtwechsels haben sich Gegner des Militärrats und Sicherheitskräfte erneut heftige Straßenschlachten geliefert. Militärpolizisten verstärkten am Mittwoch die Bereitschaftspolizei, als Demonstranten sich dem Innenministerium näherten.

Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt versuchten die Einsatzkräfte, die Menge mit Tränengas auseinanderzutreiben. Die Demonstranten warfen Steine und sagten, sie seien auch mit Schrot- und Gummigeschossen angegriffen worden. Die Totenzahl stieg unbestätigten Angaben zufolge seit dem Wochenende auf 38, nachdem in der Hafenstadt Alexandria und in der Ortschaft Marsa Matru je ein weiterer Mensch ums Leben kamen.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay forderte eine unabhängige Untersuchung und rief die ägyptischen Behörden dazu auf, „die ganz klar exzessive Anwendung von Gewalt gegen Demonstranten“ zu beenden. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte ebenfalls an den Militärrat und die Sicherheitskräfte, nicht mit Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorzugehen.

Vielen Ägyptern gingen die Zugeständnisse, die der Chef des Militärrats, Mohammed Hussein Tantawi, am Vorabend gemacht hatte, nicht weit genug. Der Feldmarschall hatte in einer Fernsehansprache zugesagt, die Präsidentenwahl und damit die Übergabe der Macht an ein ziviles Staatsoberhaupt um etwa ein halbes Jahr auf Juni 2012 vorzuziehen. Ursprünglich hatte das Militär jedoch erklärt, spätestens sechs Monate nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar in die Kasernen zurückzukehren.

Damals hatte der Militärrat faktisch die Führung Ägyptens übernommen, zunächst noch mit großer Unterstützung der Öffentlichkeit, da er zum Ende der Ära Mubarak beigetragen hatte. Nun aber lässt der Übergang zur Demokratie auf sich warten. Viele Ägypter haben das Gefühl, dass sich trotz der Revolution im Land nicht wirklich etwas geändert hat.

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