Ärmste Länder der Welt kommen ihrem Ziel näher
G8-Staaten bekräftigen Schuldenerlass-Zusage

Die ärmsten Länder der Welt sind einem 100-prozentigen Erlass ihrer Schulden bei internationalen Geldgebern ein Stück näher gekommen. Die sieben wichtigsten Industrieländer und Russland (G8) erneuerten am Freitag in Washington ihre Zusage vom G8-Gipfel im Sommer in Schottland.

HB WASHINGTON. Sie versprachen, die Rückzahlung der Beträge an die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die afrikanische Entwicklungsbank zu übernehmen, damit die Geldgeber finanziell nicht ausgezehrt werden.

„Schlüsselelement unseres Vorschlags ist, dass der Schuldenerlass voll finanziert wird und die Kreditvergabekapazitäten der internationalen Finanzinstitutionen nicht reduziert werden“, schrieben die Finanzminister und Notenbankchefs nach einem Treffen der G7 an den Präsidenten der Weltbank, Paul Wolfowitz. „Die G8 haben zugesagt, dass sie die vollen Kosten übernehmen, um Kapital und der Zinsen Dollar für Dollar zu ersetzen.“ Nach der Vereinbarung von Schottland soll der Schuldenerlass im kommenden Sommer erfolgen.

Die Minister äußerten die Hoffnung, dass dieses Angebot von den 184 Mitgliedern von IWF und Weltbank voll mitgetragen wird. Die Gouverneure der Institutionen tagen an diesem Wochenende in Washington. Die Niederlande und Belgien hatten nach Angaben von Aktionsgruppen, die seit Jahren für den Schuldenerlass kämpfen, Bedenken angemeldet. Sie argwöhnen, dass die G8-Zusage letztlich doch nicht für die gesamte Laufzeit des Schuldenerlasses gilt. Die G7-Länder Deutschland, USA, Großbritannien, Japan, Kanada, Italien und Frankreich sind die größten Geldgeber der Finanzinstitutionen und haben entsprechend die meisten Stimmrechte.

Delegationskreise halten Ausweitung für möglich

Die Finanzminister der G7 und Russlands hatten im Juni zunächst 18 hoch verschuldeten Ländern den Erlass ihrer Schulden bei den multilateralen Geldgebern versprochen. Das kostet über 40 Jahre rund 40 Milliarden Dollar. Eine Ausweitung auf 27 Länder und 56 Milliarden Dollar sei möglich, verlautete aus deutschen Delegationskreisen. Etwa neun Prozent der Summe entfällt auf die afrikanische Entwicklungsbank, elf Prozent auf den IWF und 80 Prozent auf die Weltbank. Die Weltbank ist der größte Kreditgeber für Projekte in Entwicklungsländern. Sie hat dafür rund 130 Milliarden Dollar zur Verfügung, wovon ein Großteil praktisch zinsfrei und über lange Zeiträume ausgeliehen wird.

Allein im nächsten Jahr sind nach deutschen Angaben zwischen 380 und 460 Millionen Dollar fällig. Die Summe steigt bis zum Jahr 2020 auf jährlich zwei Milliarden Dollar und geht dann in den folgenden 20 Jahren wieder zurück. Deutschland trägt etwa neun Prozent der Gesamtsumme. Auf den Bundeshaushalt kommen im Jahr 2006 rund 40 Millionen Euro zu.

Hilfsgruppen begrüßten die Zusagen, bezeichneten die ganze Entschuldungsinitiative aber als Tropfen auf dem heißen Stein. Viel mehr Länder hätten dringenden Bedarf, und neben dem Schuldenerlass seien enorme zusätzliche Summen nötig, damit die Länder einen Weg aus der Armut finden, meinte etwa die Organisation „Jubilee USA“.

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