Afghanistan
Anschlag auf deutsche Soldaten

Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille in Afghanistan sind gestern westlich von Kundus zwei Soldaten schwer verletzt worden. Ein weiterer Insasse des gepanzerten Truppentransporters wurde leicht verletzt, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich im Internet zu der Tat.

ap/Reuters BERLIN / KUNDUS. Bei der starken Explosion am Straßenrand wurde der fast neun Tonnen schwere Transporter umgeworfen. Ob es sich bei dem Sprengsatz um eine Mine oder eine selbst gebaute Bombe handelte, werde noch ermittelt.

Deutschland beteiligt sich derzeit mit 3 330 Soldaten an der internationalen Schutztruppe Isaf und ist damit drittgrößter Truppensteller. In ihrem Zuständigkeitsbereich im relativ ruhigen Norden Afghanistans sind die Bundeswehrsoldaten auf die militärische Absicherung des Wiederaufbaus beschränkt. Im Sommer wird die Bundesregierung jedoch erstmals eine Kampftruppe mit 200 Soldaten nach Afghanistan schicken.

Die afghanische Regierung befürchtet, dass die wiedererstarkten Taliban bald nicht nur im hart umkämpften Süden und Osten des Landes für Unruhe sorgen, sondern auch im Rest des Landes. Dies sagte Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak vor der Presse in Kabul. Bereits seit dem Sommer 2007 mehren sich auch die Raketenangriffe auf das Bundeswehrlager in der nordafghanischen Stadt Kundus.

Wardak sagte, er hoffe, dass es den Aufständischen nicht gelingen werde, ihre Aktivitäten im Norden und Westen zu verschärfen: „Ich bezweifle, dass sie Erfolg haben werden.“ Die Taliban verlören an Rückhalt in der Bevölkerung. Die Afghanen stellten fest, dass die Aufständischen nicht einmal das Leben von Frauen und Kindern achteten: „Immer mehr Leute versuchen, sich von ihnen fern zu halten.“ Die der Bevölkerungsgruppe der Paschtunen entstammenden Taliban haben ihren stärksten Rückhalt im Süden des Landes.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Expertenbericht der britischen Jane's Information Group ergeben, dass die Sicherheitslage in Afghanistan mittlerweile schlechter als im Irak. Noch unsicherer seien nur die Palästinensergebiete und Somalia. Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen zwei Jahren stetig zugenommen und mittlerweile das höchste Niveau seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 erreicht: 2007 wurden bei Kämpfen 6000 Menschen getötet, davon ein Drittel Zivilisten.

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