Afghanistan
Deutscher Reporter offenbar wieder frei

Der im Osten Afghanistan entführte deutsche Journalist ist nach Aussage des Gouverneurs der Provinz Kunar wieder frei. Vermutlich handelte es sich um den „Stern“-Reporter Christoph Reuter. Auch acht verschleppte Südkoreaner sollen in Sicherheit sein.

HB KABUL. Lösegeld sei für den Deutschen nicht gezahlt worden, sagte Gouverneur Shalezai Dedar. Die Befreiung des Deutschen, seines afghanischen Übersetzers und seines einheimischen Führers sei mit Hilfe der Dorfbewohner und der Regierungsdelegation gelungen, die vom Gouverneur in den Ort Sangar entsandt worden war. Die drei Männer seien auf dem Weg in die Provinzhauptstadt Asadabad.

Das Auswärtige Amt wollte die Freilassung nicht bestätigen. Es bestehe ein unübersichtliches Lagebild, sagte der Sprecher Martin Jäger. Er könne nicht bestätigen, dass der Mann wieder frei sei.

Der Reporter und die beiden Afghanen waren gegen 01.00 Uhr in der Nacht zum Mittwoch aus einem Privathaus in Sangar verschleppt worden, wo sie übernachteten. Vermutlich handelte es sich bei der deutschen Geisel um den „Stern“-Reporter Christoph Reuter. Die Chefredaktion des Magazins hatte „große Sorge“ um ihren Mitarbeiter geäußert, der sich in Afghanistan aufhält. Unklar blieb zunächst, wer für die Entführung verantwortlich war.

Nach Informationen der Chefredaktion des „Stern“ hatte Reuter extra Urlaub genommen, um nach Afghanistan zu reisen. Er sei ein Kenner des Landes und in den vergangenen Jahren immer wieder für den „Stern“ in Afghanistan gewesen.

In der Region um das Dorf Sangar war es in den vergangenen Wochen zu heftigen Kämpfen gekommen. Bei einem Nato-Luftangriff auf den Weiler sollen neben zahlreichen Rebellen auch mindestens 27 Zivilisten getötet worden sein. Überlebende hatten ihre Wut über die Operation geäußert.

Reuter hat auch mehrere Bücher geschrieben. Nach Angaben seines Verlages Random House ist er 1968 geboren, hat Islamwissenschaften studiert und berichtet seit zehn Jahren „Zeit“ und „Stern“ aus der islamischen Welt.

Auch in den Fall der 23 in Afghanistan entführten Südkoreaner ist nach Medienberichten Bewegung gekommen. Demnach seien acht Geiseln wieder frei. Die Südkoreaner würden zurzeit an einen sicheren Ort gebracht, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul. Die Regierung soll Lösegeld an die Geiselnehmer gezahlt haben.

In Afghanistan befindet sich gegenwärtig noch ein deutscher Ingenieur in der Gewalt von Entführern. Der Mann soll noch am Leben sein, allerdings körperlich geschwächt. Mit ihm war ein zweiter Deutscher verschleppt worden, der auf der Flucht zusammenbrach und starb. Sein Leichnam wird am heutigen Mittwoch in Deutschland erwartet und soll dann obduziert werden.

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