Afghanistan-Einsatz
USA und Kanada fordern mehr deutschen Einsatz in Afghanistan

Zwei Wochen vor dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl wächst der Druck auf Deutschland, sich stärker in Afghanistan zu engagieren und die strikten Einsatzregeln der Bundeswehr zu lockern. Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Richard Holbrooke, mahnte eine bessere Polizeiausbildung an - Verteidigunsminister Jung wies die Kritik zurück.

BRÜSSEL. Nach Frankreich forderte am Wochenende auch Polen, alle Alliierten müssten sich an Kampfeinsätzen beteiligen. Die USA und Kanada setzten sich zudem für eine neue Lastenteilung im Bündnis ein. Es könne nicht länger angehen, dass jene Länder die größten Lasten tragen, die die meisten Truppen schicken und die größten Risiken eingehen, hieß es bei einer Sicherheitskonferenz in Brüssel.

"Jedes Land muss beim Blick in den Spiegel sagen können, dass es für Afghanistan alles tut, was es tun kann", sagte der kanadische Verteidigungsminister Peter MacKay dem Handelsblatt. Ohne Kampfeinsätze lasse sich der Vormarsch der radikal-islamischen Taliban nicht stoppen. Zwar müsse die Bundesregierung nicht unbedingt Soldaten in den umkämpften Süden Afghanistans schicken: "Wenn Sie keine Truppen schicken können, um das Feuer zu löschen, dann schicken Sie eben mehr Ausrüstung." Entscheidend sei aber, dass ein gerechter Lastenausgleich zwischen allen 26 Alliierten stattfinde. Möglicherweise müsse die Nato dafür auch neue, verbindliche Regeln festlegen, sagte MacKay.

Bisher gilt im Atlantischen Bündnis das Prinzip, dass jedes Land die Kosten für seinen Militäreinsatz selbst zahlt. Zudem können die Alliierten die Einsatzbedingungen für ihre Soldaten festlegen und Beschränkungen erlassen. Kanada ist in der unruhigen Provinz Kandahar engagiert und hat dafür einen hohen Preis bezahlt. Erst am Freitag sind bei Kämpfen vier kanadische Soldaten und ein Übersetzer getötet worden. Deutschland konzentriert sich dagegen auf den Wiederaufbau im relativ sicheren Norden Afghanistans. Offensive Kampfeinsätze hat die Bundeswehr bisher vermieden.

Für eine neue Lastenteilung im Bündnis sprach sich auch der neue US-Sondergesandte für Afghanistan, Richard Holbrooke, aus. Die Alliierten sollten nicht nur mehr Einsatz am Hindukusch zeigen, sondern auch die Hilfe für die afghanischen Sicherheitskräfte aufstocken. Besonders die Polizeiausbildung lasse zu wünschen übrig, so Holbrooke: "Wir müssen die Zahl der Polizeibeamten erhöhen und ihre Qualität und Ausbildung verbessern." Ausdrücklich lobte Holbrooke die japanische Regierung, die sich bereiterklärt habe, für sechs Monate das Gehalt der afghanischen Polizisten zu bezahlen. "Das ist ein gutes Beispiel für Führungskraft", so Holbrooke.

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