Afghanistan
Entführer verlangen 40 000 Dollar

Die Entführer des in Afghanistan verschleppten Deutschen fordern Lösegeld für die Freilassung des Mannes. Die genauen Umstände sind allerdings weiter unbekannt. Die Taliban wollen mit der Geiselnahme nichts zu tun haben. Die Behörden hoffen nun auf spezielle Hilfe.

HB KABUL. Seit Donnerstag vergangener Woche wird er vermisst, erst am Mittwoch wurde seine Entführung bekannt - der Mann ist die erste deutsche Geisel in Afghanistan seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban Ende 2001. Klar ist nur, dass er im Distrikt Delaram verschleppt wurde, der zwischen den südwestlichen Provinzen Nimroz und Farah liegt.

Dort, so Nimroz' Gouverneur Gholum Dastagir Azad, sei der Mann am Tag der Geiselnahme zuletzt in einem Restaurant auf einem kleinen Markt gesehen worden. Gegen 23.00 Uhr sei er dann verschwunden.

„Wir haben nach den uns vorliegenden Hinweisen von einer Entführung auszugehen“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, in Berlin. Er verriet über die Geisel nur, dass sie weder im Regierungsauftrag unterwegs gewesen sei noch für eine deutsche Hilfsorganisation gearbeitet habe. Auch handele es sich nicht um einen Journalisten. Allerdings gibt es in Afghanistan auch eine Anzahl deutscher Unternehmer, die dort vor allem im boomenden Bauwesen Geld machen wollen. Medienberichten zufolge soll es sich bei dem Verschleppten tatsächlich um einen Bauingenieur handeln.

Unklar ist, ob die Taliban auch hinter der Entführung des Deutschen stecken - einiges spricht dagegen. Normalerweise suchen die Rebellen die Öffentlichkeit, sobald sie Ausländer verschleppt haben, um ihre Forderungen etwa nach einem Abzug ausländischer Truppen aus Afghanistan zu unterbreiten. Anfang April verschleppten die Rebellen in Nimroz zwei französische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, die erst nach wochenlangen Verhandlungen freikamen. Einen Tag nach der Geiselnahme riefen Taliban-Sprecher bei Nachrichtenagenturen an und verkündeten, dass die Frau und der Mann in ihrer Gewalt seien.

Taliban-Sprecher Zabeeullah Mujahid sagte dagegen sechs Tage nach der Entführung des Deutschen, er wisse nichts von der Geiselnahme. Kriminellen allerdings, die in Afghanistan zunehmend eine Bedrohung darstellen, geht es nicht um politische Forderungen, sondern um Lösegeld. Dies bestätigten jetzt auch offizielle Stellen. Demnach verlangen die Entführer 40 000 Dollar (rund 29 000 Euro).

Die unbekannten Geiselnehmer des Deutschen suchten den Kontakt mit dem Polizeichef der Provinz Farah, Abdul Rahman Sarjang. Er sagte, der Deutsche und sein afghanischer Übersetzer würden in einem Dorf in Delaram von Unbekannten festgehalten. Nun sollen die Dorfbewohner zwischen den Entführern und den Behörden vermitteln.

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