Afghanistan
Nato bereitet Rückzug vor

Bereits im kommenden Jahr will die Nato erste afghanische Provinzen in die Selbstverwaltung entlassen, die Schutztruppe soll die einheimischen Sicherheitskräfte nur noch unterstützen. Wie das von Korruption beherrschte Land die entscheidenden Schritte zur Eigenständigkeit schaffen soll ist allerdings noch offen.
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HB EDINBURGH/MESEBERG. Erstmals seit der Entmachtung der Taliban 2001 will die Nato einzelne Gebiete ganz der Obhut afghanischer Sicherheitskräfte überlassen. Er sei zuversichtlich, dass im kommenden Jahr die Wahrung der Sicherheit zunehmend afghanischen Kräften übertragen werden könne, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Dienstag auf einer Nato-Tagung in Edinburgh.

Auch Mitglieder der Bundesregierung befürworten dies und verfolgen ein absehbares Ende des unpopulären Einsatzes. Allerdings will die Nato auch die Truppen aufstocken, die aus Sicht von Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal nötig sind, um die wachsende Kraft der radikalislamischen Milizionäre im Süden des Landes zu brechen. Unterdessen wertete Transparency International (TI) Afghanistan als eines der korruptesten Länder der Welt.

Die von der Nato geführte Schutztruppe Isaf werde immer mehr eine unterstützende Rolle übernehmen, kündigte Rasmussen an. Bereits am Montag hatte er erklärt, es sei realistisch, dass 2010 einzelne Gebiete afghanischen Kräften übergeben würden. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte diese Zielsetzung ausdrücklich geteilt.

In Meseberg erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Rande der Koalitionsklausur: „Hier geht es darum, dass wir mit der selbsttragenden Sicherheit in Afghanistan soweit vorankommen, dass auch innerhalb der nächsten Jahre eine Perspektive des Übergangs erkennbar wird.“ In Meseberg müssten dazu auch konkrete Schritten besprochen werden.

Bereits am Montag hatte Westerwelle erklärt, in den nächsten vier Jahren müsse der Grundstein für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gelegt werden. Eine endgültige Entscheidung über die neue Strategie in dem Konflikt soll in ein paar Wochen bei der dafür anberaumten Afghanistan-Konferenz fallen. US-Präsident Barack Obama wollte bislang mit einer befristeten Truppenaufstockung und mehr regionalen Bündnissen eine Wende im Kampf gegen die Aufständischen herbeiführen. Die steigende Zahl der Opfer hat in vielen Nato-Ländern die Zustimmung zum Einsatz geschmälert.

Bei einem der Ziele der Militärintervention, dem Aufbau eines funktionierenden Staatswesens, sind bislang kaum Fortschritte gemacht worden. Afghanistan ist nach TI-Einschätzung das Land mit dem weltweit korruptesten Staatssektor neben Somalia. Ämterkauf, eine bestechliche Justiz und Drogenhandel hätten am Hindukusch das zweite Jahr in Folge zu einer Verschlechterung geführt. Selbst bei der Grundversorgung sei Bestechung für die Menschen an der Tagesordnung, bemängelte die Anti-Korruptionsorganisation bei der Vorstellung ihres jährlichen Indexes zur Korruptionswahrnehmung. Der Bericht wirft damit ein Schlaglicht auf die Probleme, vor denen die internationale Gemeinschaft bei ihren Versuch steht, von Präsident Hamid Karsai eine bessere Regierungsführung einzufordern.

Kommentare zu " Afghanistan: Nato bereitet Rückzug vor"

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  • Nato bereitet Rückzug vor!
    Der einzig richtige Gedanke seit sie dort sind.
    Sie sollten sich dabei aber nicht zuviel Zeit lassen. Freiwillig gehen ist besser als hinausgejagt zu werden. Genau das passiert ihnen, wenn sie zu lange zögern oder es gar noch mit der Zuspitzung der Finanzkrise - das große Ding kommt erst noch-- zussammenfällt. Dann haben sie schlechte Karten.
    Weder die USA noch die NATO kann noch längere Zeit durchhalten- es fehlt an allem, vor allem auch an Geld . Soviel kann bernanke nicht mehr drucken, dass es reicht. Die billion und billiardenschulden vermehren sich täglich wie die die Schweinegrippe. irgenwann ist Sense.

  • Nato bereitet Rückzug vor!
    Der einzig richtige Gedanke seit sie dort sind.
    Sie sollten sich dabei aber nicht zuviel Zeit lassen. Freiwillig gehen ist besser als hinausgejagt zu werden. Genau das passiert ihnen, wenn sie zu lange zögern oder es gar noch mit der Zuspitzung der Finanzkrise -das große Ding kommt erst noch-- zusammenfällt. Dann haben sie schlechte Karten.
    Weder die USA noch die NATO kann noch längere Zeit durchhalten- es fehlt an allem, vor allem auch an Geld . Soviel kann bernanke nicht mehr drucken, dass es reicht. Die billion und billiardenschulden vermehren sich täglich wie die die Schweinegrippe. irgenwann ist Sense.

  • Das in Afghanistan Korruption herrscht, war und ist seit Jahren bekannt. Dieses Argument für einen Rückzug zu nennen, ist albern und dient lediglich als Propaganda, um die unwissende bevölkerung im Westen einzulullen.
    Der Rückzug ist die endgültige Einsicht, dass der Westen scheiterte, sein Rechtssystem einem ganz anders funktionierendem System binnen einiger Jahre mit militärischem Zwang, aufzubürden.
    Das wird nie funktionieren. Die westliche Zivilisation wird das nie begreifen, solange es große finanzielle Nutznießer in der Nähe der politischen Führungen gibt. Es stellt sich dabei durchaus die Frage, wer neben Afghanistan noch korrupt ist?
    Wem hat dieser Krieg genützt?
    Staaten wie Afghanistan, Pakistan u.ä. brauchen Staaten, die Vorbilder für sie sind.
    Vorbilder sind ähnlich gelagerte Staaten, die demokratisch sind, die soweit entwickelt sind und die trotzdem soweit dem islam in einem entwickelten Stadium nachgehen ohne sich mit dem Westen den Krieg zu erklären. Das könnten Staaten wie Malaysia oder die Türkei sein.
    Der Westen sollte statt Krieg gegen Afghanistan u.ä. Staaten zu führen, sich positiv entwickelnden Staaten wirtschaftlich und politisch unterstützend widmen.
    Diese Staaten werden als Vorbilder durch die anderen islamischen Staaten genommen werden.
    Dieses Widmen würde bei weitem keine 10% der bisher geführten Kriege in Afghanistan und irak kosten. Vielmehr würde es unterschiedliche Kulturen sehr rasch zueinander führen.

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