Afghanistan-Strategie
USA streben Abzug in 18 Monaten an

Nach der Vorlage ihrer neuen Afghanistan-Strategie durch Präsident Barack Obama legt die US-Regierung noch einmal nach. Verteidigungsminister Bob Gates sagte bei einer Anhörung im Kongress, dass die militärische Offensive zwischen 18 und 24 Monaten dauern werde. Man verfolge kein „Nationbuilding“ mit offenem Ende.
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WASHINGTON. Am Dienstagabend hatte Obama vor Kadetten der Militärakademie West Point den neuen Kurs vorgestellt. Danach setzt die Regierung auf eine Doppelstrategie, die eine zügige Verstärkung der Truppen um 30 000 Soldaten vorsieht, gleichzeitig aber auch einen Abzug in bereits 18 Monaten anstrebt. Ziel ist es, die afghanischen Sicherheitskräfte bis zum Sommer 2011 soweit aufgebaut zu haben, dass sie ihre Aufgaben ohne fremde Unterstützung leisten können.

Aus den Ausführungen Gates wurde deutlich, wie sehr die US-Führung inzwischen ihre Ziele in Afghanistan reduziert hat. „Es ist weder notwendig noch praktikabel, in Afghanistan einen modernen, zentralistischen Staat nach westlichem Vorbild zu schaffen, den es dort noch nie gegeben hat“, sagte er. Zudem sei es auch nicht erforderlich, jedes Dorf zu befrieden und nach dem Lehrbuch in ganz Afghanistan den Widerstand zu bekämpfen. Vielmehr gehe es um die Niederschlagung der Terrororganisation El Kaida. Obama hatte angekündigt, den Krieg zu einem „erfolgreichen Abschluss“ bringen zu wollen.

Dazu sei es erforderlich, die Geländegewinne der Taliban rückgängig zu machen, die Menschen in Afghanistan besser zu schützen und verstärkt Druck auf die politische Führung in Kabul auszuüben, damit diese schnellere Fortschritte beim Aufbau des Sicherheitsapparats mache. Gates erklärte, dabei gehe es darum, bestimmte Gebiete von Aufständischen zu säubern, diese zu halten, aufzubauen und am Ende zu übergeben. Der Transfer der Verantwortung an die afghanischen Behörden im Sommer 2011 sei entscheidend.

Planung wie Wortwahl erinnerten stark an die Situation im Irak vor drei Jahren. Zum Jahreswechsel 2006/2007 war die Offensive dort ebenfalls damit begründet worden, dass man einmal befriedetes Gebiet halten und aufbauen müsse. Gates sagte aber auch, dass man die Fehler von 1989 nicht wiederholen wolle. Nach dem Abzug der Sowjets hatten die USA, die die Mudschaheddin unterstützt hatten, das Land sich selbst überlassen.

In den USA wird jetzt vor allem kritisiert, dass Obama einen Zeitpunkt für den Beginn des Truppenabzugs nannte. „Ein Abzugstermin ermutigt El Kaida und Taliban nur, während es unsere afghanischen Partner entmutigt“, sagte Senator John McCain. Ähnlich argumentierte Senator Lamar Alexander: Die Regierung sei auf diese Weise zu sehr mit dem Abzug beschäftigt, statt mit einer Erfolgsstrategie.

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