Afghanistan
Taliban stellen „letztes Ultimatum“ für Südkoreaner

Im Fall der 22 in Afghanistan verschleppten Südkoreaner haben die radikal-islamischen Taliban ein „letztes Ultimatum“ gestellt. Angeblich kommt Anweisung für eine Frist bis Montagmorgen deutscher Zeit von ganz oben.

HB KABUL. Wenn nicht eine Reihe von inhaftierten Rebellen bis Montagmittag Ortszeit (9.30 Uhr deutscher Zeit) freikomme, würden die ausländischen Christen getötet, drohte Taliban-Sprecher Kari Mohammed Jusuf am Sonntag. Die Entscheidung sei von Talibanchef Mullah Mohammed Omar persönlich getroffen worden, da die Verhandlungen über das Wochenende nicht vorangekommen seien. Zugleich warnten die Taliban die Behörden davor, die Geiseln mit Gewalt zu befreien. Damit werde nur das Leben der Ausländer aufs Spiel gesetzt.

Die südkoreanischen Geiseln sind seit ungefähr anderthalb Wochen in der Gewalt ihrer Entführer. Sie wurden in der Provinz Ghasni verschleppt. Die Taliban haben bereits mehrere Ultimaten gestellt, ohne ihre Drohungen danach in die Tat umzusetzen. Allerdings wurde der Anführer der südkoreanischen Christengruppe am Mittwoch getötet.

Die afghanische Regierung hatte noch am Samstag auf eine neue Verhandlungsrunde mit den Taliban gesetzt, wie es aus afghanischen Kreisen hieß, konnte ein dafür eingesetztes Team wegen Sicherheitsbedenken aber nicht zu den Extremisten gelangen. Nach offizieller Darstellung will sich die afghanische Regierung auf keinerlei Bedingungen der Entführer einlassen.

Einige der Geiseln seien krank, sagte Taliban-Sprecher Jusuf. Wie die afghanischen Behörden mitteilten, konnten von Südkorea geschickte Medikamente die Entführten bislang nicht erreichen. Der Gouverneur von Ghasni, Miradschuddin Pathan, gab an, es bestünden keine Pläne für eine gewaltsame Befreiung. Er widersprach damit vorherigen Andeutungen der Behörden. Ein Gesandter Südkoreas traf sich am Sonntag nach Angaben von afghanischen Vertretern mit Präsident Hamid Karsai, um über die jüngsten Entwicklungen zu reden. Einzelheiten wurden jedoch nicht bekannt.

Von seinem Sommersitz Castel Gandolfo forderte Papst Benedikt XVI. die Freilassung der in Afghanistan entführten Ausländer. Die Kidnapper sollten ihre Opfer unbeschadet übergeben, sagte das römisch-katholische Kirchenoberhaupt. Der Papst verurteilte die Entführungen als eine „grobe Verletzung menschlicher Würde, die gegen göttliches Recht“ verstoße. Auch die Schwester einer der Geiseln bat um ein schnelles Ende der Krise. „Ich weiß die Regierung tut ihr Bestes, aber ich vermisse meine Schwester“, sagte die Frau. Sie hoffe auf einen guten Ausgang der Verhandlungen.

Ungewiss blieb am Wochenende auch das Schicksal des Deutschen Rudolf B., der gemeinsam mit Rüdiger D. am 18. Juli verschleppt wurde und noch in der Gewalt seiner Entführer ist. Der 62-jährige Bauingenieur leide unter Bluthochdruck und sei auf die regelmäßige Einnahme von Medikamenten angewiesen, berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf einen Geschäftspartner von Rudolf B. Beide seien an der deutsch-afghanischen Baufirma KBC beteiligt.

Das Auswärtige Amt lehnte am Wochenende jede Stellungnahme ab. Der Krisenstab bemühe sich intensiv um die Freilassung der Geisel. Daran werde gemeinsam mit der afghanischen Regierung unter Hochdruck gearbeitet. Der örtliche Polizeichef in der Provinz Wardak, in der die Deutschen entführt worden waren, wurde inzwischen entlassen. Als Grund nannte das afghanische Innenministerium die Vernachlässigung von Amtspflichten.

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