Agustín Carstens
Neue Ideen für eine alte Institution

Auch der mexikanische Zentralbankchef Agustín Carstens gehört zum Kandidatenkreis für das Amt des neuen IWF-Chefs. Bei der Bewerbung setzt der pfundige Notenbanker vor allem auf seine Krisenerfahrung.
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Mexiko-StadtEnde Mai bereits hatte Agustín Carstens seine Bewerbungsmappe für den IWF-Chefposten fertig. Das Zusammenstellen der Unterlagen fiel ihm nicht schwer, denn der Mexikaner kennt die Anforderungen beim Währungsfonds. Er war zwischen 1999 und 2000 sowie von 2003 bis 2006 in führender Position in Washington tätig. Zuletzt als einer der Vize-Direktoren.

Carstens weiß also, auf was es ankommt und so trug der mexikanische Zentralbankchef auf zwölf Seiten seine bisherigen Jobs in verantwortlicher Position zusammen. Dabei wies er besonders auf die Krisen hin, an deren Lösung er in seiner Heimat mitgewirkt hatte. Allen voran die Finanz- und Wirtschaftskrise von 1987/88 und die „Tequila-Krise" 1994/95, durch die der mexikanische Peso binnen weniger Tage 60 Prozent seines Wertes verlor, die Zinsen in astronomische Höhen schossen und viele Banken an den Rand des Zusammenbruchs gerieten und nur mit staatlichen Milliarden gerettet werden konnten. Die Griechenland-Krise dürfte Carstens daher sehr bekannt vorkommen.

„Der IWF braucht nicht in erster Linie einen europäischen Direktor, sondern einen, der Erfahrung bei der Bewältigung großer Krisen hat. Und die haben wir in den Schwellenländern reichlich“, wiederholt Carstens in diesen Tagen, in denen er auf der Suche nach Zustimmung für seine Bewerbung ohne Pause um die Welt reist. Am Freitag war er in Indien, zuvor hatte er sich bereits in den USA, in Brasilien, Kanada und Spanien vorgestellt. Die Regierung in Madrid sowie 13 Staaten der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) haben dem Zentralbankchef bereits ihre Unterstützung zugesichert. Allerdings nicht Brasilien, das wichtigste Land Lateinamerikas und BRICS-Staat.

Der 53 Jahre alte Mexikaner mit dem massiven Leibesumfang weist auf allen Stationen seiner Weltreise darauf hin, dass der Fonds Krisenstaaten in Afrika, Asien und Lateinamerika immer wieder effektiv half, ohne dass der Chef aus einem dieser Länder gekommen wäre. „Ich halte einen europäischen Direktor im Moment sogar für kontraproduktiv“, äußerte Carstens kürzlich gegenüber der spanischen Tageszeitung „El País“. Ein IWF-Chef aus einer anderen Region könne die Probleme mit größerer Objektivität betrachten.

Dementsprechend moniert der mexikanische Notenbanker die bisherige Krisenhilfe als unzureichend. „Nach drei Jahren mit einem Europäer an der IWF-Spitze ist die Krise nicht gelöst“. Es brauche vermutlich „härtere und realistischere Maßnahmen und noch manch bittere Medizin“, betonte Carstens, der an der Universität von Chicago promoviert hat und ein Anhänger der streng marktliberalen Schule der „Chicago-Boys“ ist. Eine Restrukturierung der griechischen Schulden mache aber nur dann Sinn, wenn sie von grundlegenden Maßnahmen begleitet werde. „Eine Restrukturierung ist kein Wundermittel und kann nur die wirklich allerletzte Maßnahme sein“.

Carstens geht in das Rennen um den IWF-Chefposten mit frischen Ideen für die in die Jahre gekommene Finanzinstitution.

Klaus Ehringfeld
Klaus Ehringfeld
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Wenn Lagarde zum Zug kommt, dürfte die Glaubwürdigkeit des IWF für den Rest de Jahrhunderts verspielt sein. Davon abgesehen, eine Person, die auch noch öffentlich zugegeben hat, sich über bestehende Gesetze/Verträge mal ganz locker hinweggesetzt zu haben, disqualifiziert sich im gleichen Atemzug selbst. Ausserdem, nachdem sie eine Deckelung der deutschen Exporte vorgeschlagen hat, um die Ungleichgewichte in der EU zu neutralisieren, grenzt die deutsche (Merkelsche) Unterstützung für diese Tochter der Grande Nation schon verdammt hart an Masochismus. Und wenn es nicht Masochismus sein sollte, ist es Verrat an den eigenen Interessen. Beides ist schlimm. Thumbs up für Agustin Carstens! Der bessere Kandidat ist er!

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