Aktionärsschützer
Auch neuer Schuldenschnitt kann Griechen nicht retten

Griechenland dürfte nach Einschätzung internationaler Prüfer seine Finanzprobleme nicht in den Griff bekommen. Doch ob ein weiterer Schuldenschnitt die Hellenen vor der Pleite bewahren kann, ist umstritten.
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BerlinDie Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) steht in der Griechenland-Debatte Überlegungen für einen nochmaligen Forderungsverzicht skeptisch gegenüber. „Wenn, dann müssten zunächst die Zusagen Griechenlands voll umgesetzt werden, und es müssten auch die staatlichen Institutionen wie der Eurorettungsfonds EFSF, die Notenbanken und der Internationale Währungsfonds gleich behandelt werden und ebenso verzichten“, sagte SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer Handelsblatt Online. Doch aktuell mache ein Schuldenschnitt „kaum Sinn“, fügte Bauer hinzu, „da die Zinslast sehr gering ist und nur die von der EZB gehaltenen Anleihen zur Rückzahlung fällig sind in den nächsten Jahren“.

Man würde damit „nur auf dem Papier“ Fortschritte erzielen, sagte Bauer weiter. Die aktuelle Zahlungsfähigkeit beeinflusse das kaum. „Und ob Griechenland nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit einer Schuldenquote von zum Beispiel 80 Prozent wieder Zugang zum Kapitalmarkt bekommen würde, ist fraglich.“

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor berichtet, die Prüfer der internationalen Gläubigertroika würden bei der Untersuchung der griechischen Finanzlage zu einem verheerenden Ergebnis kommen. Die Schulden seien nicht beherrschbar und ein weiterer Forderungsverzicht unvermeidlich, zitierte die Agentur drei hochrangige EU-Vertreter. Die griechische Regierung rechnet in diesem Jahr nach eigenem Bekunden mit einem Wirtschaftseinbruch um sieben Prozent.

Bauer wies überdies darauf hin, dass für die neuen griechischen Anleihen gelte, dass diese so genannte Collective Action Clauses (Umschuldungsklauseln, CACs) enthielten. „Es liegt also in der Hand der Gläubiger, einer erneuten Umschuldung inklusive eines Forderungsverzichts zuzustimmen“, sagte das SdK-Vorstandsmitglied. „Dabei müssen aber die Regeln eingehalten werden und zum Beispiel müssen alle Gläubiger einer jeden Anleihe einzeln darüber abstimmen.“ Es dürften daher „nicht alle Anleihen in einen Topf geworfen werden“.

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  • Griechenland und die übrigen Staaten der PIIGS+F-Gruppe haben seit 2002, der Einführung des Euro als europäische Gemeinschaftswährung, durch Einfuhren auf Pump eine rasante Schuldenpyramide aufgebaut und gleichzeitig in Kauf genommen, daß dadurch und außergewöhnliche Sozialleistungen einschließlich horrender Löhne die Wettbewerbsfähigkeit ihrer heimischen Wirtschaft außerordentlich stark gesunken ist. Sie haben sich verhalten wie ein Hausvater, der nur das Beste für seine Familie will, wenn dafür andere zur Kasse gebeten werden: So eine Art Kreditkartenmentalität der US-Amerikaner. Jetzt sollen Staaten dafür zahlen und gleichzeitig Geld geben zur Wiederherstellung einer Leistungsbilanz, die wieder eine Eigenversorgung dieser Länder ermöglicht, da die ja nicht noch mehr Schulden aufnehmen müssen: Staaten, die selbst durch politische Wohltaten in die Klemme einer hohen Verschuldung geraten sind, wie Deutschland, das inzwischen eine Schuld von ca. 300% des BIP (zur Erinnerung: in Maastricht sollten 60% die Obergrenze sein) aufgebaut hat, davon 90% des BIP bilanziert.
    Das das keine Lösung der sogenannten Euro-Krise sein kann, müsste man auch durch geraden Menschenverstand erfassen, ohne sich ausführlich mit volkswirtschaftlichen Theorien beschäftigt zu haben. Weit gefehlt: Eine große Anzahl der hier beheimateten Volksgenossen, an ihrer Spitze Finanzminister Schäuble, glauben immer noch, diese ehernen Gesetze gelten nicht für dieses Land. Das ist wie das ängstliche Pfeifen in einem dunklen Wald.

  • Das Meiste des geliehenen Geldes haben die Griechen in ihre korrupte und inkompetente Beamtenschaft investiert, die alle einer der tausend Gewerkschaften dort angehören, ..... und die "angemessen versorgt" sein wollen. Es gibt dort z.B. eine Wasserwirtschaftsbehörde mit vielen Mitarbeitern, die nichts weiter zu tun haben, als sich um ein seit vielen Jahren ausgetrockenes Flussbett zu kümmern. Das hat doch Klasse, nicht wahr - und macht zudem noch enorm Kasse!

  • Eine "Rettung der Griechen" interessiert doch niemanden - die Griechen haben sich schon längst selbst gerettet:

    In den letzen 20 Jahren haben sie sich 32.964 Euro pro Nase gepumpt. Dieses Geld kann man sich jetzt in Form von BMWs und Schwimming Pools in Griechenland und auf Konten in London, Zürich und Frankfurt angucken.

    Wieviel des Griechenland geliehenen Geldes noch gerettet werden kann ist die einzige interessante Frage.

    Wahrscheinlich nicht viel.

    Wichtig ist im Moment nur, daß man schnellstmöglich damit aufhört per EZB und EFSF die Kleptokraten weiter mit etwa einer Milliarde pro Monat zu füttern.

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