Aktionsplan gegen den Rausch
EU sagt Alkoholmissbrauch Kampf an

Die EU-Kommission hält an ihrer umstrittenen Kampagne gegen den Alkoholmissbrauch fest – trotz massiver Kritik der Industrie, des Europäischen Parlaments und einiger Mitgliedstaaten.

BRÜSSEL. EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou will die mehrfach verschobene Anti-Alkohol-Strategie nun endgültig am 24. Oktober seinen Kollegen zum Beschluss vorlegen. Darin werden die EU-Staaten unter anderem aufgefordert, das Mindestalter für den Alkoholverkauf auf 18 Jahre anzuheben, Flaschen oder Verkaufsregale mit Warnhinweisen zu versehen und eine Null-Promille-Grenze für Fahranfänger und Berufsfahrer einzuführen. Dies geht aus Kyprianous Entwurf einer Strategie gegen den Alkoholmissbrauch hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.

Der Kommissar begründet seinen Vorstoß mit den massiven Gesundheitsschäden und hohen sozialen Kosten übermäßigen Alkoholkonsums. Geschätze 55 Mill. EU-Bürger seien von dem Problem betroffen, jedes Jahr würden rund 10 000 Menschen in der EU bei alkoholbedingten Verkehrsunfällen sterben, heißt es in dem Strategiepapier. Besonders Jugendliche bedürften eines besseren Schutzes. Jeder vierte Todesfall bei Männern zwischen 15 und 29 Jahre sei durch Alkohol verursacht.

Bei der Spirituosenindustrie und den Brauereien stoßen Kyprianous Pläne auf erbitterten Widerstand. Sie sehen in dem Strategiepapier den Startschuss für eine europaweite Kampagne gegen den Alkoholkonsum nach dem Vorbild des Tabakwerbeverbots und dem Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Seit Monaten machen ihre Lobbyisten deshalb mit scharfen Attacken gegen Kyprianou mobil. Die vorgeschlagenen Maßnahmen seien ein Pauschalangriff auf alkoholische Getränke ohne dem Ziel der Missbrauchsbekämpfung auch nur einen Schritt näher zu kommen, kritisierte Rodolphe de Looz-Corswarem, Generalsekretär des europäischen Brauerverbands. Sein Kollege Peter Hahn vom Deutschen Brauer-Bund sekundierte: „Die Kommission behandelt den Verbraucher wie einen Konsum-Trottel“.

Kyprianou hält die Vorwürfe für maßlos überzogen, die Fronten sind schon vor der Vorlage des Strategiepapiers völlig verhärtet. „In meiner zwanzigjährigen Laufbahn als Politiker habe ich noch nie eine so aggressive und falsche Lobbykampagne erlebt wie die der Alkoholindustrie“, sagte er dem Handelsblatt. Die Verbände hätten mit ihm persönlich nicht gesprochen, viele ihrer Behauptungen seien völlig überzogen.

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