Al-Aksa-Brigade will mit Bombenanschlag in Tel Aviv Nutzlosigkeit des Zauns zeigen
Scharon weist Uno-Kritik an Sperrwall scharf zurück

Israels Regierungschef Ariel Scharon hat den Bombenanschlag in Tel Aviv als ersten Angriff „unter der Schirmherrschaft“ des Internationalen Gerichtshofs von Den Haag bezeichnet.

TEL AVIV. Das Urteil der Richter gegen die israelische Sperranlage vom vergangenen Freitag sei eine „tödliche Botschaft, die den Terrorismus fördert“, sagte Scharon am Sonntag kurz nach einem Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv, bei dem eine Frau getötet worden war. Die Palästinenser wehrten sich nicht ohne Grund gegen die Anlage zwischen Israel und dem Westjordanland, sagte Scharon. Sie wüssten sehr genau, dass der Sperrwall Attentate in Israel erschwere.

Das Uno-Tribunal hatte die Sperranlage als Verstoß gegen das Völkerrecht bezeichnet und den Abriss der Teile verlangt, die in das palästinensische Gebiet hineinreichen. Das Gutachten, das die Uno-Vollversammlung beantragt hatte, ist allerdings rechtlich nicht bindend. Uno-Generalsekretär Kofi Annan forderte Israel auf, das Urteil zu akzeptieren. Israel sieht die aus Mauern, Zäunen und Gräben bestehende Anlage als Schutzvorrichtung gegen palästinensische Attentäter, die in den vergangenen Jahren hunderte Israelis getötet haben.

Bei dem ersten palästinensischen Bombenanschlag in Israel seit März wurde an einer Bushaltestelle in Tel Aviv eine 20 Jahre alte israelische Soldatin getötet. Die Attentäter hatten die mit Metallteilen bestückte Bombe in einem Gebüsch an der Bushaltestelle versteckt. Sie explodierte am frühen Sonntagmorgen kurz nachdem ein Bus losgefahren war. Laut israelischen Medien wurden mindestens 30 Menschen verletzt. Die vermutlich ferngezündete Bombe explodierte an einer Hauptstraße in der Nähe des zentralen Busbahnhofs. Die radikalen Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, die der Fatah-Organisation von Palästinenser-Chef Jassir Arafat nahe stehen, bekannten sich zum Attentat.

Dass der Anschlag nur zwei Tage auf das Uno-Urteil folgte, war kein Zufall. Zaharias Zubeibi, Kommandant der Al-Aksa Barigaden, sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Mit dem Attentat wollten wir zeigen, dass uns die Mauer nicht von Operationen in Israel abhalten kann.“ Damit widersprach er der israelischen Regierung, die argumentiert, die Sperrmauer habe zu einem Rückgang der Anschläge geführt.

Die Palästinenser wollen ihren Kampf gegen den Sicherheitszaun erneut in die Uno-Vollversammlung tragen. Zunächst soll die Vollversammlung eine Resolution gegen die Sperranlage verabschieden, allerdings erst nach der US-Präsidentenwahl im November, wie nach einer Kabinettssitzung verlautete. Ministerpräsident Ahmed Kureia bat in einem Gespräch mit dem EU-Gesandten Marc Otte um die Unterstützung der Europäischen Union. Israel solle dem Urteil des Uno-Gerichtshofes nachkommen, den Sperrwall abbauen sowie die Palästinenser entschädigen, die wegen des Baus Verluste hinnehmen mussten. In einem zweiten Schritt könnten die Palästinenser vom Sicherheitsrat Sanktionen gegen Israel fordern.

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