Alastair Newton
„Vorbild für andere Regierungschefs“

Stärkt David Cameron mit seinen ambitionierten innenpolitischen Reformen auch das außenpolitische Gewicht Großbritanniens? Im Interview mit Alastair Newton, politischer Analyst der Investmentbank Nomura, spricht der frühere G7-Sherpa von Tony Blair über Camerons Außenwirkung und sein Verhältnis zu Kanzlerin Angela Merkel.
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Handelsblatt: Bislang scheint sich der britische Premier David Cameron in Sachen Außenpolitik eher zurückzuhalten. Wann wird er auf die große Bühne treten und die traditionell einflussreiche Rolle der Briten in der Weltpolitik beanspruchen?

Alastair Newton: Cameron hat eine sehr schwierige innenpolitische Agenda vor sich, und diese ohnehin komplexe Aufgabe wird noch dadurch verkompliziert, dass er mit einem Koalitionspartner, den Liberaldemokraten, zurechtkommen muss. Außerdem hat der Premier mit William Hague einen starken Außenminister an seiner Seite.

Aber trägt nicht gerade Camerons kompromisslose Sanierungspolitik im Inneren dazu bei, auch sein außenpolitisches Profil zu schärfen? Wächst damit nicht fast automatisch sein Gewicht in Europa und der Welt?

Wenn er Erfolg hat, auf jeden Fall. Zu Recht gilt Cameron als radikaler Reformer und sein frischer Ansatz als potenzielles Vorbild für andere Regierungschefs. Aber Camerons europäische Kollegen werden nicht nur genau beobachten, ob er seine wirtschaftlichen und politischen Ziele erreicht, sondern auch wie sich seine Chancen auf eine Wiederwahl entwickeln.

Nach der britischen Parlamentswahl im Frühjahr hatten viele Angst, dass die traditionell europakritischen Konservativen in Brüssel auf Konfrontationskurs gehen würden. Jetzt sieht es so aus, als agierten sie weitaus konstruktiver als befürchtet.

Großbritannien will mit Sicherheit weiter eine Starke Rolle in der EU spielen. Dabei profitiert Cameron von seinem Koalitionspartner, denn er kann seine kompromissbereite Europapolitik gegenüber den Hardlinern in der eigenen Partei mit dem Druck durch die europafreundlicheren Liberaldemokraten rechtfertigen.

Und wie kommt der neue Premierminister mit seiner deutschen Amtskollegin Angela Merkel zurecht?

Das ist eine sehr interessante Beziehung. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Angela Merkel Cameron bereits verziehen hat, dass seine Partei die Fraktion der Konservativen im Europäischen Parlament verlassen hat - und sich stattdessen mit mittel- und osteuropäischen rechten Randparteien zusammentat. Aber inzwischen scheinen die beiden eine tragfähige und konstruktive Arbeitsbeziehung aufgebaut zu haben. So wie es aussieht, sind die Deutschen von Camerons pragmatischem Ansatz positiv überrascht.

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