Amerikanisch-iranisches Verhältnis
Persische Hassliebe

Das Verhältnis zwischen Iran und den USA scheint irreparabel. Aber es könnte verbessert werden, wenn Washington Teheran auf Augenhöhe respektieren würde. Dabei hätte auch die kleinste Chance zur Lösung des Problems Beachtung. Denn es stehen nicht nur bilaterale Beziehungen auf dem Spiel.

WASHINGTON. Haben die USA 2003 eine historische Chance zum Neuanfang mit Iran verpasst? Obwohl bald vier Jahre verstrichen sind, reizen die Umstände des iranischen Gesprächsangebots vom Mai 2003 immer wieder zu Debatten und Spekulationen. Denn das desolate Verhältnis der beiden Staaten zueinander liefert das vielleicht größte Konfliktpotenzial im erweiterten Mittleren Osten. Und es ist nicht zu sehen, wie sich dieses Szenario in absehbarer Zukunft verbessern soll. Auch die kleinste Chance zur Lösung des Problems hätte also Beachtung verdient. Denn es stehen nicht nur bilaterale Beziehungen auf dem Spiel.

Die verfügbaren Informationen zeigen: Wenige Wochen nach dem Sturz Saddam Husseins ging ein schriftliches Gesprächsangebot Irans im Weißen Haus ein. Empfänger: der enge Bush-Vertraute Karl Rove. Doch der Präsident reagiert nicht. Entweder, weil er den Brief nie zu Gesicht bekam, oder aber, weil er im Zeichen des schnellen Erfolgs über den Irak keinen Gedanken an ein Gespräch mit dem Erzfeind verwenden wollte. Sicher ist nur, dass das US-State-Department den Brief zunächst erhalten hat. Dort, im Büro für den Nahen Osten, landete im Mai 2003 das Fax. Mitarbeiter des US-Außenamts bestätigten im vergangenen Jahr, dass sie den Brief sahen, dass sein Inhalt umfassend war.

In dem inzwischen öffentlichen Papier bietet Teheran Kooperation in jenen Fragen an, die seither für eine Vertiefung der Krise zwischen den USA und Iran sorgen: Zusammenarbeit in der Atomfrage, Beendigung der Unterstützung militanter Palästinenser, sogar die Anerkennung Israels. Doch die Bush-Regierung geht davon aus, dass Irans Regime bald zusammenbricht – und schlagen das Angebot aus. Richtig ist, dass der schnelle militärische Durchmarsch der US-Truppen im Irak in Teheran nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Prompt sehen sich jene Kräfte gestärkt, die auf eine Annäherung an die USA drängen. Sie fürchten, ebenfalls in den Fokus der USA zu geraten.

Doch Washington sitzt einer Fehlkalkulation auf: Ein Kollaps der politischen und religiösen Führung in Iran steht nicht bevor. Aber immerhin öffnet sich im Frühjahr 2003 ein Fenster, das einen Neustart in den bilateralen Beziehungen möglich erscheinen lässt. Doch die Chance verstreicht.

Dabei war die Gesprächsbereitschaft eigentlich ein kleines Wunder. Denn nur etwas mehr als ein Jahr zuvor, im Januar 2002, hatte der US-Präsident den Iranern den Fehdehandschuh hingeworfen. In seiner Jahresansprache listete er jene Länder auf, die aus seiner Sicht zur „Achse des Bösen“ zählen: Irak, Nordkorea – und eben Iran. Teheran war ob dieser Klassifizierung entsetzt. Denn in den Monaten zuvor hatte es eine stillschweigende Kooperation zwischen den USA und Iran gegeben. So gab es Unterstützung aus Teheran bei der Neuformierung der afghanischen Nordallianz, mit deren Hilfe die USA nur Wochen zuvor die Taliban niedergerungen hatten. Die von Tadschiken dominierte Nordallianz hatte von jeher gute Kontakte zu Iran. Als die Amerikaner sie zu einer Streitmacht aufbauten, gab Teheran grünes Licht.

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