Amtliches Endergebnis steht aber noch aus
Oppositionskandidat gewinnt Präsidentenwahl in Honduras

Überraschend hat der Kandidat der oppositionellen Liberalen Partei, Manuel Zelaya, die Präsidentenwahl in Honduras am Sonntag für sich entschieden. Das teilte die Wahlkommission mit. Zelaya ist der siebte Präsident des mittelamerikanischen Landes.

HB TEGUCIGALPA. „Wir haben einen gewählten Präsidenten. Ich denke der Unterschied ist klar und eindeutig“, sagte der Chef der Wahlkommission am Montag. Anhänger Zelayas feierten in den Straßen der Städte des Landes und schwenkten rot-weiße Fahnen der Liberalen Partei.

Zelaya lag bei der Auszählung der Stimmen der Präsidentschaftswahl vom Sonntag bis zum Montagmorgen (Ortszeit) mit 50,8 Prozent der Stimmen vor seinem Konkurrenten Porfirio Lobo (57) von der regierenden Nationalen Partei (PN), der 45,2 Prozent der Stimmen erhielt. Der Rest der Stimmen verteilt sich auf drei weitere Bewerber. Bereits bei Nachwahlbefragungen hatte sich entgegen den Umfragen ein Überraschungssieg für den Kandidaten der Oppositionspartei abgezeichnet. Bis zur Auszählung aller Stimmen könnten nach Angaben des Wahlleiters aber noch Tage vergehen.

Weil Lobo, der als Favorit in die Wahl um die Nachfolge von Staatspräsident Ricardo Maduro gegangen war, den Sieg von Zelaya nicht anerkannte, bat dieser als künftiger Präsident die Armee, das Wahlergebnis zu garantieren. Er warnte seinen Konkurrenten, die Lage im Lande zu destabilisieren. Lobo sagte später aber vor seinen Anhängern: „Das Wahlergebnis erlaubt nicht, dass wir uns zu Siegern erklären könnten.“ Der neue Präsident soll am 27. Januar 2006 sein Amt antreten.

Die beiden konservativen Parteien PL und PN wechseln sich seit zwei Jahrzehnten in der Führung des Landes ab. Mit einem Pro-Kopf- Einkommen von 930 Dollar gehört Honduras (6,5 Millionen Einwohner) zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Naturkatastrophen und der Verfall der Weltmarktpreise für Bananen und Kaffee haben das mittelamerikanische Land in Elend versinken lassen.

Lobo hatte sich im Kampf gegen marodierende Jugendbanden - das wichtigste Thema in dem verarmten mittelamerikanischen Land - für die Wiedereinführung der Todesstrafe ausgesprochen. Zelaya will dagegen lebenslange Haftstrafen und eine Verdopplung der Sicherheitskräfte für Straßenpatrouillen. Die Banden tätowierter Jugendlicher, die so genannten „Maras“, ängstigen die rund sieben Mill. Bürger des armen Landes mit einer Serie brutaler Morde, Enthauptungen, Vergewaltigungen und dem Ausstechen von Augen. Die Behörden machen die Jugendbanden unter anderem für den Tod von 28 Menschen im vorigen Dezember verantwortlich. Sie waren umgekommen, als ihr Bus bei der Rückkehr von Weihnachtseinkäufen beschossen wurde.

Die Straßengangs, wie es sie auch in Los Angeles gibt, mit tausenden Mitgliedern haben ihren Ursprung in Gruppen verurteilter Straftäter, die in den 90er Jahren von den USA nach Mittelamerika ausgewiesen wurden. Anführer der Banden hatten für den Fall der Wiedereinführung der Todesstrafe mit noch mehr Gewalt gedroht. Diese war 1946 abgeschafft worden.

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