Analyse
Blairs Außenpolitik: Knackpunkt Irak

Wenn es eine Entscheidung gibt, die der Popularität Tony Blairs den entscheidenden Schlag versetzt hat, dann ist es der Feldzug im Irak. Seit den Anschlägen des 11. September 2001 stand Blair wie kein zweiter Regierungschef in fester Treue zu US-Präsident George W. Bush.

dih LONDON. Blair schickte britische Soldaten nach Afghanistan und in den Irak und blieb auch im Ringen um einen Waffenstillstand im Libanon strikt auf US-Linie. Diese Haltung machte den einst so beliebten Premier in den Wahlen des vergangenen Jahres zur Belastung für die Labour-Partei. Doch der Ärger in der Bevölkerung war nicht so groß, dass sie Blair abgewählt hätte – zumal die konservative Opposition außenpolitisch keine grundsätzlich andere Linie vertrat.

Blairs Achse mit Bush im weltweiten Kampf gegen den Terror wird, so vermuten Beobachter, auch seine Rolle in den Geschichtsbüchern bestimmen. Doch nicht nur Kriegsgegner fragen sich, welche Vorteile die Briten langfristig aus der engen Anbindung an die USA ziehen werden. In Fragen des Klimaschutzes etwa, für den Blair sich einsetzte, habe Bush keine Dankbarkeit für die Treue des Premiers gezeigt.

Andererseits hat die Nähe zu den USA die Briten von den Partnern in der Europäischen Union entfremdet. Blair ist es nicht in erhofftem Maße gelungen, mit den neuen EU-Mitgliedern in Osteuropa ein Bündnis für Reformen zu schmieden. Wie in der Innenpolitik verpufften seine Initiativen auch auf europäischer oder internationaler Ebene zu oft. So fand sein Vorstoß zur Reform des EU-Agrarhaushalts wenig Freunde.

Auch seine Annäherungsversuche gegenüber Kontinentaleuropa in Sachen Währung verliefen im Sande. Zu Beginn seiner Amtszeit schien Blair die Briten zum Euro bekehren zu wollen, heute ist davon keine Rede mehr.

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