Angaben über Opfer schwanken
Karsai entgeht Taliban-Angriff knapp

Bei einem Angriff der radikalislamischen Taliban auf eine Militärparade in Kabul ist Afghanistans Präsident Hamid Karsai am Sonntag mit dem Schrecken davongekommen. Karsai, Kabinettsmitglieder und ausländische Diplomaten wurden bei einer Gedenkfeier zum 16. Jahrestag des Rückzugs der sowjetischen Truppen mit Sturmgewehren beschossen. Sie kamen jedoch nicht zu Schaden.

HB KABUL. Das Präsidialamt teilte nach dem Zwischenfall mit, Karsai, alle Regierungsmitglieder und Diplomaten - darunter die Botschafter der USA und Großbritanniens sowie Dan McNeill, der US-Kommandeur der Nato-Truppe in Afghanistan - seien in Sicherheit. Leibwächter hatten Karsai nach Medienberichten unmittelbar nach Ausbruch der Schießerei abgeschirmt und von der Ehrentribübe in Sicherheit gebracht. Ob der Anschlag gezielt Präsident Karsai gegolten habe, war zunächst unklar.

Die Angaben über die Opfer gingen zunächst auseinander. Während das Präsidialamt lediglich von neun Menschen - darunter zwei Parlamentsabgeordnete - sprach, die verletzt worden seien, teilte das Verteidigungsministerium mit, drei Angreifer seien ums Leben gekommen, während unter den Zuschauern mindestens ein Mensch getötet wurde. Elf Personen seien verletzt worden. Das afghanische Fernsehen brach die Live-Übertragung der Militärparade, die seit Tagen unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen vorbereitet worden war, ab. Sie wurde zum 16. Jahrestag des Sturzes des von der Sowjetunion gestützten kommunistischen Regimes in Afghanistan abgehalten.

Die aufständischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Das Attentat beweise, dass die Bewegung entgegen den Behauptungen von Regierung und Nato nicht geschwächt sei, erklärte ein Taliban-Sprecher. Die Taliban teilten mit, drei der Angreifer seien getötet worden, die übrigen drei seien entkommen. „Wir haben Handfeuerwaffen und Panzerfäuste eingesetzt“, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid in einem Telefonat. Die Bewegung habe der Regierung und der Nato demonstriert, dass sie nicht nur in den Provinzen, sondern selbst in Kabul zuschlagen könne. „Karsai und sein Kabinett können sich nicht vor Taliban-Angriffen sicher sein.“

Der deutsche Botschafter Hans-Ulrich Seibt nahm nicht an der Parade teil, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Auch seien keine deutschen Soldaten auf dem Podium oder an der Parade beteiligt gewesen, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Die Bundeswehr ist in Kabul eingesetzt, der Großteil der mehr als 3200 Soldaten ist jedoch im Norden stationiert.

Karsai zeigte sich nach dem Anschlag im nationalen Fernsehen und sagte, es seien mehrere Verdächtige verhaftet worden. In der Erklärung des Präsidialamts hieß es, Karsai verurteile die Tat und rufe alle Afghanen auf, Ruhe zu bewahren. Die Feinde der in Afghanistan erzielten Fortschritte hätten versucht. Terror zu verbreiten. „Glücklicherweise haben die Streitkräfte Afghanistans sie schnell umzingelt und einige der Verdächtigen ergriffen.“

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