Angst vor Crash der Euro-Zone
EZB-Banker warnt vor Euro-Rauswurf Griechenlands

Das große Zittern um die Zukunft Griechenlands schürt die Angst, dass am Ende die Euro-Zone zerbrechen könnte. Innerhalb der EZB hält man daher Überlegungen eines Euro-Ausschlusses für höchst gefährlich.
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AmsterdamDer Zwangsausschluss eines Staates der Euro-Zone würde dem EZB-Ratsmitglied Klaas Knot zufolge zu einem Zusammenbruch des Währungsraums führen. „Einen unfreiwilligen Austritt zu ermöglichen würde zu einem Vertrauensverlust führen“, sagte der niederländische Notenbankchef am Donnerstag. Dies würde einer Einladung an Spekulanten gleichkommen.

Knot antwortete damit im niederländischen Fernsehen auf die Frage, ob man das hochverschuldete Griechenland lieber aus der Euro-Zone ausschließen sollte. Die Währung selbst würde den Zusammenbruch überstehen, sagte Knot weiter: Die einzelnen europäischen Volkswirtschaften seien in den vergangenen Jahren so verzahnt worden, dass es nicht mehr möglich sei, den Euro abzuschaffen.

Die japanische Regierung reagiert derweil zunehmend frustriert auf den langsamen Fortschritt in der Schuldenkrise und den Wertverlust des Euro. Das Finanzministerium warnte am Freitag, dass die Talfahrt der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Yen eine Gefahr für die Wirtschaft des Landes sei und deshalb genau beobachtet werden solle. Bei einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Timothy Geithner will Finanzminister Jun Azumi darüber beraten, wie die beiden Länder gemeinsam mit China Europa unterstützen können - vorausgesetzt, die Europäer selbst leisteten überzeugende Anstrengungen. Der Euro fiel zum Jahresanfang gegenüber dem Yen auf den tiefsten Stand seit elf Jahren.

Auch wenn die Äußerungen Azumis nach Einschätzung von Experten eindeutig Ausdruck einer wachsenden Frustration mit der Schuldenkrise sind, so weisen sie dennoch nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Intervention der Notenbank hin. Bei seinen Eingriffen am Devisenmarkt hat sich Japan in der Vergangenheit fast ausschließlich auf den Wechselkurs zwischen Yen und Dollar konzentriert.

Ein Scheitern des Euro und ein Untergang der Europäischen Union hätte nach Einschätzung von Star-Investor George Soros schreckliche Folgen. Es wäre nicht nur für „Europa katastrophal sondern auch für das weltweite Finanzsystem“, zitierte die Zeitung „Business Line“ am Freitag Soros bei einem Besuch der südindischen Stadt Hyderabad. Die Krise in der Euro-Zone sei „ernsthafter und gefährlicher als der Zusammenbruch von 2008“, zitierte die „Economic Times“ den US-Milliardär und Hedge-Fonds-Manager. Der 81-Jährige wird von Forbes mit einem Vermögen von 22 Milliarden Dollar als siebtreichster Mann der Welt aufgeführt.

Ausgelöst wurde die neue Angstdebatte von Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos, der eindringlich vor einer „unkontrollierbaren Staatspleite“ gewarnt hatte. Die Arbeitnehmer müssten weitere Lohnkürzungen hinnehmen, um die Sparziele zu erfüllen. Andernfalls „laufen wir Gefahr bald nichts mehr zu haben“, hatte Papademos bei einem Treffen mit Vertretern der Gewerkschaften gesagt. Seine Regierung will neue Regelungen einführen, um Steuern einzutreiben. „Die nächsten drei Monate sind kritisch für den Kurs der griechischen Finanzen“, sagte Papademos vor seinem Ministerrat, teilte sein Büro am Donnerstagabend mit.

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  • gemeint war petervonbremen

  • Dies scheint ein sinnvoller und guter Beitrag. Insbesondere dem in den Diskussionen immer wieder zitierten Schreckgespenst des Auseinanderfallens der Euro-Zone kann nicht entschieden genug widersprochen werden. Es sind stets nur pauschale, in keiner Weise quantifizierte Konsequenzen, mit denen für den Fall des moralisch absolut gerechtfertigten, vorübergehenden Ausschlusses Griechenlands aus der Euro-Zone gedroht wird. Ansehen sowie wirtschaftliche und politische Kraft Europas werden durch die unvertretbar zögerlichen Lösungsversuche ausgehöhlt. Eine Lösung aber ist im nachhaltigen Interesse aller beteiligten Nationen dringend erforderlich. Wenn die gewählten Volksvertreter nach zwei Jahren bislang nicht einmal in die Nähe einer nachhaltigen Lösung gelangt sind, dann sollte angesichts der außergewöhnlichen Größe und breiten Wirkung des Problems ein außergewöhnlicher Weg zur Lösung beschritten werden: Volksbefragungen!

  • Welche Experten befürchten schlimme Folgen für die EU,wenn Griechenland aus der Währungsunion austreten sollte wurde in dem Bericht leider nicht genannt.Ich finde diese Spekulationen,mehr ist es nicht, weit übertrieben.Natürlich wird es einige Banken hart treffen es gibt aber genügend Möglichkeiten die betroffene Banken zu stützen.Die EU wird auch ohne Griechen weiter bestehen,vielleicht werden es im laufe der Zeit einige Mitglieder weniger sein doch sie wird weiter bestehen.

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