Annan widerspricht Bolton
USA und UN streiten über „unzulässige“ Kritik

Zwischen der US-Regierung und der Führung der Vereinten Nationen ist es zu einem heftigen Streit gekommen. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton meint, Kofi Annans Stellvertreter habe „unzulässige“ Kritik an den Vereinigten Staaten geäußert.

HB NEW YORK. Daher forderte Bolton UN-Generalsekretär Kofi Annan am Mittwoch dazu auf, seinen Stellvertreter Mark Malloch Brown zur Ordnung zu rufen. Annan lehnte dies ab. Sein Sprecher sagte: „Der Generalsekretär steht zu der Erklärung seines Stellvertreters und stimmt mit der Stoßrichtung überein. Es kann überhaupt keine Rede davon sein, dass irgendwelche Maßnahmen gegen den Stellvertreter ergriffen werden.“ Malloch Brown, ein Brite, hatte der US-Regierung vorgeworfen, die Vereinten Nationen ständig als Mittel zur Verwirklichung ihrer Ziele zu nutzen, sie gleichzeitig aber nie gegen Kritik in Schutz zu nehmen, und sei diese noch so ungerecht. Dadurch überlasse sie das Feld in den US-Medien den „lautesten Gegnern“ der Weltorganisation. „So wird man früher oder später die Unterstützung der UN verlieren.“

Bolton warf Malloch Brown vor, er habe mit seinen Äußerungen das amerikanische Volk beleidigt, und dies stehe ihm als „UN-Funktionär“ nicht zu. „Das ist ein sehr, sehr schwerwiegender Fehler“, sagte er. „Generalsekretär Kofi Annan muss eingreifen und sich persönlich und öffentlich von dieser Rede distanzieren.“ Wenn dies nicht geschehe, „wird dies den UN sehr schaden“, drohte Bolton.

Brown erwiderte darauf, er vermute, dass Bolton seine Rede zunächst gar nicht gelesen habe, sondern nur Presseberichte, die einige Passagen herausgegriffen hätten. „Ich kann beim besten Willen nicht sehen, wie man daraus eine antiamerikanische Rede konstruieren kann“, sagte er. „Es war als proamerikanische Rede gemeint.“ Schließlich habe er die USA darin aufgefordert, ihre Vorbehalte gegen die UN aufzugeben und sich endlich voll in die Organisation einzubringen. Er erinnerte daran, dass den UN am Ende dieses Monats eine neue Finanzkrise drohe, weil die USA möglicherweise ihre Beiträge zurückhalten würden.

Brown erläuterte auch seine Kritik an der UN-Berichterstattung konservativer US-Medien wie Fox News. Dieser Sender verfolge eine ganz bestimmte Linie und lasse abweichende Meinungen grundsätzlich nicht zu, sagte er. Von der Regierung in Washington wünsche er sich, dass sie die UN zumindest hin und wieder mal in Schutz nehme. Eine Regierung müsse manchmal auch den Mut haben, unpopuläre Dinge zu verteidigen, wie beim in den USA nicht populären Marshallplan zum Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg.

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