Anschlag in Barcelona
Der Terror ist zurück in Spanien

Das Attentat auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas trifft Spanien ins Mark. Ein Land, das die eigene Terrorvergangenheit gerade erst abgeschlossen glaubte. Ein Kommentar.
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MadridDer Terroranschlag von Barcelona war ganz offensichtlich von langer Hand geplant. Die Las Ramblas ist die meistbesuchte Flaniermeile der Stadt. Sie ist gesäumt von Cafés, Blumen- sowie Souvenirläden und zu jeder Zeit voller Leute – Spanier ebenso wie Touristen. August ist Hauptreisezeit und Barcelona ist eines der beliebtesten Touristenziele in Spanien. In der spanischen Küstenstadt Cambrils konnte die Polizei in der Nacht ein ähnliches Attentat gerade noch verhindern.

Damit ist klar, dass die Terroristen die größtmögliche Zahl an Opfern erreichen wollten. Sie rasten mit einem Lieferwagen in die Menge und hinterließen eine blutige Spur: Nach bisherigen Erkenntnissen sind 13 Menschen gestorben und weitere 100 verletzt, davon mehrere schwer.

Das Muster ist aus anderen Städten wie Nizza oder Berlin bekannt und es zeigt, dass das Risiko von Anschlägen sich schlicht nicht vermeiden lässt. Die Polizei kann zwar Personen verhaften, die Waffen oder Material zum Bombenbau besitzen – aber nicht alle, die einen Lieferwagen mieten.

Spanien hat seit den Bombenanschlägen 2004 auf Vorort-Züge in Madrid das Netz zur Terrorabwehr noch enger gestrickt. Damals kamen 191 Menschen ums Leben. Und schon davor hatten sich die Behörden gegen inländische Terrororganisationen wie die ETA gerüstet. Wenn es ein Land gibt, das seine Terrorabwehr in der Vergangenheit verstärkt hat, dann ist es Spanien.

Während Paris, Brüssel, Berlin und London wegen Anschlägen in die Schlagzeilen gerieten, vermeldete Madrid Verhaftungen. Kaum ein anderes EU-Land hat in den vergangenen Jahren mehr Terrorverdächtige festgenommen als Spanien. Vor einigen Monaten hat sich zudem die ETA entwaffnet und es schien, als sei Spanien eine der wenigen vermeintlich sicheren Orte.

Das sahen auch die Touristen so: Aus Angst vor Terrorattentaten in Frankreich, der Türkei und Nordafrika sind sie in Scharen auf Spanien ausgewichen und haben in den vergangenen zwei Jahren dort sämtliche Besucher-Rekorde gesprengt. Doch jetzt ist der Terror zurück.

Für das Land ist das ein Schock, das spanische Fernsehen zeigt schwarzen Trauerflor auf dem Bildschirm. Barcelona ist eine Stadt, die für ihre Weltoffenheit bekannt und bei Touristen extrem beliebt ist. Die Wahl dieses Ziels zeigt, dass der Anschlag nicht nur Spanien, sondern der gesamten westlichen Welt galt.

Barcelona versucht wie schon zuvor etwa Paris, Stärke zu demonstrieren: Die Stadt plant für den heutigen Freitag eine Schweigeminute und einen Aufmarsch von Politik und Bewohnern, um zu zeigen, dass sich die Stadt von den Terroristen nicht unterkriegen lässt. Der spanische Premierminister Mariano Rajoy erklärte nach Mitternacht in Barcelona, Spanien kenne den Terrorismus aus seiner Geschichte und wisse, dass man die Terroristen am Ende besiegt. Wir wünschen uns alle, dass er Recht behält.

Das Risiko lässt sich nicht vermeiden, damit müssen wir uns abfinden. Aber jeder Einzelne kann Widerstand leisten – weiter in Cafés, zu Konzerten und auf Flaniermeilen gehen, und damit die eigenen Werte verteidigen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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  • @ Herr Malte Wackerow18.08.2017, 08:57 Uhr

    Als Merkels Massenmigartion begann, habe ich folgende Aussage getroffen:

    Eine Regierung, die sich weigert die Grenzen des Staates zu schützen, wird sich auch konsequent weigern, private Grundstücksgrenzen zu schützen. Imgrunde handelt es sich um eine Bankrotterklärung des Staatswesens, wenn elementare Kernfunktionen nicht mehr dargestellt werden. Und die Bürger werden sich irgendwann in der Zukunft überlegen müssen, wie sie auf die gestiegene Kriminalität reagieren. Vereinzelt sind doch schon Bürgerwehren aufgestellt worden. Und das aus dem Grund, weil man dem Staat nicht mehr traut.

  • @Mackerov: Selbstverständlich wäre bei einer Lockerung unserer Waffengesetze eine eingehende Personenüberprüfung bei allfälligem Tragerecht mehr als nur begrüssenswert. Ich will persönlich übrigens keinen Föhn durch die Gegend schleppen. ist mir zu schwer. Jedoch hätte ich beispielsweise nichts dagegen wenn Angehörige der Feuerwehr oder studierte Personen wie Ärzte etc. zivil einen Föhn trügen.

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