Anschluss an die EU geplant
Bürgerpräsident für Serbien

Der neu gewählte serbische Präsident Boris Tadic will die sozialen und nationalen Probleme des Landes lösen. Der 46-Jährige steht für tief greifende innere Reformen und den Anschluss seines Landes an die Europäische Union (EU) und die Nato.

HB BELGRAD.Tadic hatte die Stichwahl mit 53,7 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich entschieden. Der Gegenkandidat Tomislav Nikolic von der extrem nationalistischen Radikalen Partei (SRS) hatte 45 Prozent der Stimmen gewonnen.

Damit hat Serbien, mit Abstand größter Teil des Staatenbundes Serbien-Montenegro, nach eineinhalb Jahren wieder einen Präsidenten. Zuvor waren drei Wahlversuche am geringen Interesse der Bürger gescheitert. Das Parlament hatte daraufhin die Bestimmung gestrichen, dass eine Wahl nur bei einer Beteiligung von mehr als der Hälfte der Wähler gültig ist. Das Wahlergebnis sei auch eine „politische Richtungsentscheidung“, hieß es in ersten Kommentaren westlicher Diplomaten in Belgrad.

Tadic steht für tief greifende innere Reformen und den Anschluss seines Landes an die Europäische Union (EU) und die Nato. Die EU, die Nato sowie die USA hatten wiederholt zur Wahl von Tadic aufgerufen, um die jahrelange Isolation Serbiens zu beenden. Auch dringend benötigte ausländische Investitionen in die marode Wirtschaft sollen durch diese Entscheidung der Bürger verstärkt angelockt werden. Obwohl der serbische Präsident nach der Verfassung nur repräsentative Aufgaben und keine wirkliche politische Macht besitzt, hatten sich zahlreiche westliche Staaten für Tadic als Vertreter einer neuen politischen Linie stark gemacht. Daher waren dem Politiker in den letzten Wochen auch viele Kontakte mit führenden westlichen Politikern in Brüssel und Washington ermöglicht worden. Tadic hatte seinen Anhängern in Aussicht gestellt, dass er das Land in den fünf Jahren seiner Amtszeit wieder nach Europa führen werde. Nikolic zeigte in einer ersten Reaktion trotz der Niederlage Zuversicht. „Ich bin mehr als zufrieden, die Radikalen gehen erhobenen Hauptes“, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger am Sonntagabend in Belgrad. Da seine Partei die stärkste Kraft im Lande bleibe, „kann es ohne uns keine Fortschritte geben“. Der so genannte Demokratische Block werde schon in den nächsten Tagen im Streit zerbrechen, kündigte Nikolic an. Bei den jetzt wahrscheinlichen vorzeitigen Parlamentswahlen „wird uns keiner aufhalten können“. Er habe die Präsidentenwahl nur verloren, weil alle Medien Serbiens und das gesamte Ausland für Tadic Position bezogen hätten.

Tadic ist in der Demokratischen Partei Nachfolger des im letzten Jahr ermordeten ehemaligen serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. Für viele Beobachter pflegt Tadic einen ganz ähnlichen Arbeitsstil und hat eine ähnliche Auffassung über politische Symbole wie Djindjic. Da Tadic erst in diesem Jahr an die Parteispitze gerückt ist und zuvor wenig einflussreiche Ministerposten bekleidete, ist er in keinen der vielen politischen, kriminellen und wirtschaftlichen Skandale der letzten Jahre verwickelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%