Ansteckungsgefahr
Wien schaut mit Sorge auf Budapest

Ein Staatsbankrott Ungarns ist nicht völlig auszuschließen. Besonders schaden würde das den Gläubigerländern Österreich und Deutschland. Vor allem die Banken aus der Alpenrepublik sind stark im Nachbarland vertreten.
  • 1

WienNoch will Ungarn die Zahlungsunfähigkeit vermeiden, noch besteht die Chance, dass es zu einer Einigung zwischen der Budapester Regierung und den Verhandlungspartnern IWF und EU über ein milliardenschweres Hilfspaket kommen wird. Doch ganz auszuschließen ist ein Staatsbankrott trotzdem nicht. Den größten Schaden daraus hätten dabei Österreich und Deutschland, die beiden wichtigsten Gläubigerländer der Ungarn.

Mit etwa 30 Milliarden Euro hat die Alpenrepublik die meisten ausstehenden Forderungen bei den ungarischen Nachbarn. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel folgt Deutschland an zweiter Stelle mit etwa 20 Milliarden Euro. Vergleichsweise wichtige Gläubigerländer sind außerdem Italien und Belgien.

In Österreich geht entsprechend die Angst um, dass ein Staatsbankrott in Ungarn große Probleme auslösen könnte. Deutschland ist zehnmal so groß wie Österreich – die 30 Milliarden Euro an ausstehenden Forderungen in Ungarn wiegen in der kleinen Alpenrepublik also ungleich schwerer. Österreich ist in Ungarn vor allem über seine Banken exponiert. Die großen Geldhäuser aus Wien hatten sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fast überall in Osteuropa engagiert – und natürlich auch in Ungarn.

Von offizieller Seite kommen in Wien durchgehend Beruhigungsversuche, Österreich und seine Banken hätten bei einer ungarischen Pleite nichts zu befürchten. „Unsere Banken sind ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet, es besteht keine Gefahr“, sagt Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny. Er bezeichnet die Lage in Ungarn als „Herausforderung“.

Auch wenn Ungarn Zahlungsunfähigkeit anmelden müsste, heißt das nicht automatisch, dass in Österreich gleich der gesamte Betrag von 30 Milliarden Euro verloren wäre. Vor allem Kredite an den Staat wären wahrscheinlich in Gefahr, Unternehmen und privaten Haushalten droht nicht automatisch zeitgleich die Pleite. „Das potenzielle Länderrisiko für österreichische Banken in Ungarn sollte eher in der Nähe von 30 Prozent aller Forderungen liegen“, meint Gunter Deuber, Osteuropa-Volkswirt bei der Raiffeisen-Bankengruppe in Wien.

Seite 1:

Wien schaut mit Sorge auf Budapest

Seite 2:

In Deutschland wäre vor allem die Bayern LB betroffen

Kommentare zu " Ansteckungsgefahr: Wien schaut mit Sorge auf Budapest "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die österreichischen Banken wollten ihr ganz neues Kuk aufbauen, mit dümmlichen Krediten. Die CSU-Bayern LB dachte sich; "Das klingt doch prima. Da machen wir mit!"
    Hat irgendwie nicht hingehauen. Ist ja auch logisch, wenn man 20 Millionen Huf Kredite an Leute mit 120.000 Forinth Monatseinkommen vergibt. Und das massenhaft. Die Blase ist geplatzt und jetzt gucken alle blöd aus der Wäsche. "Na sowas? Wie konnte das nur passieren. Da muss wohl der böööse Orban dran schuld sein. Wo wir doch nur Gutes wollten. Naja, zum Glück gibts da noch den Steuerzahler. Das mit dem Verlust des Tripple A tut uns natürlich irgendwie leid, aber wir sind schon fast drüber weg. Jetzt kann man ja ein wenig die Pensionen kürzen. War eh schon längst überfällig!"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%