Appell an "nationale Einheit"
Brown will Briten entlasten – mit neuen Staatsschulden

Der britische Premierminister Gordon Brown will die drohende Rezession mit einer verstärkten Schuldenaufnahme abwenden. Führende britische Ökonomen kritisieren die Pläne als "diskreditierte" keynesianische Wirtschaftpolitik.

LONDON. Der britische Premierminister Gordon Brown hat versprochen, Großbritannien mit Hilfe weiterer Schulden aus der Wirtschaftskrise zu führen – und das Vorhaben mit einem Appell an die „nationale Einheit“ verbunden. „Wir werden und wir können die Schuldenaufnahme weiter steigern, um die Nachfrage wieder herzustellen und Arbeitern, Unternehmern und Hausbesitzern zur Hilfe zu kommen“, sagte der Chef der Labour-Regierung gestern vor Unternehmern in London.

Die britische Wirtschaft war im vergangenen Quartal zum ersten Mal seit 16 Jahren geschrumpft und steht damit am Rande einer Rezession. Steigende Arbeitslosenzahlen und fallende Einkommen schlagen immer stärker auf den Immobilienmarkt durch. Schon gehen Beobachter davon aus, dass die Hauspreise bis 2009 um rund ein Viertel fallen werden. Wie das Centre for Economics and Business Research (CEBR) mitteilte, wird der Häusermarkt in Großbritannien um rund fünf Jahre zurückgeworfen. Mit einer Erholung rechnet das CEBR nicht vor 2012. Im Oktober sind die Hauspreise sowohl auf Monats- als auch auf Jahressicht mit Rekordgeschwindigkeit gesunken. Der Hauspreisindex fiel gegenüber September um 1,3 Prozent und gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,3 Prozent.

Mit seinen jüngsten Plänen, zur Bewältigung der Krise neue Schulden zu machen, schlägt Brown den historischen Rat des früheren Labour-Premiers Jim Callaghan in den Wind. Er hatte 1976 auf dem Höhepunkt einer Wirtschaftskrise gewarnt: „Man kann sich nicht durch Geldausgeben von einer Rezession befreien.“ Ähnlich sehen es heute führende Ökonomen. 16 von ihnen warnten in einem Leserbrief im „Sunday Telegraph“ vor einer Neuauflage „diskreditierter“ keynesianischer Wirtschaftspolitik.

„Schulden zu erhöhen ist keine Strategie, um mit der Rezession fertig zu werden. Es ist eine Konsequenz der Rezession“, kritisierte der Sprecher der Tories, Phillip Hammond. Die Tories werfen Brown vor, in den Jahren brummender Konjunktur das Defizit gesteigert zu haben, anstatt ein Finanzpolster anzulegen. Brown war als Schatzkanzler der Überzeugung, er könne den Wirtschaftszyklus von Boom und Abschwung kontrollieren.

Die Ökonomengruppe warnt vor „folgenschweren Fehlzuteilungen von Ressourcen“, da eine Regierung nicht wissen könne, welche Sektoren der Wirtschaft schrumpfen oder wachsen müssten. Weitere Ausgabensteigerungen „machten den Staat in vielen Bereichen der Wirtschaft so dominierend, dass die Erholung des Privatsektors nach der Rezession geschwächt wird“.

Seite 1:

Brown will Briten entlasten – mit neuen Staatsschulden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%