Arafat akzeptiert Bedingungen der Entführer
Nach Entführung wird Gaza-Polizeichef abgesetzt

Maskierte Palästinenser haben im Gaza-Streifen den Polizeichef Ghasi Dschabali nach einem Überfall auf seinen Fahrzeugkonvoi für mehrere Stunden verschleppt. Nach eigenen Angaben wollten die Kidnapper damit gegen Korruption und Vetternwirtschaft unter Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zu protestieren.

HB GAZA-STADT. Arafat habe die Bedingungen der Entführer akzeptiert und Polizeichef Ghasi al-Dschabali aus dem Amt entlassen, erklärte ein hochrangiger Vertreter der Palästinenser-Behörde nach der Überstellung des Entführten an die Sicherheitskräfte des palästinensischen Gebiets. Der Vorfall war die klarste Herausforderung an Arafats Autorität über die Region, aus der sich die israelische Besatzungsmacht Plänen der Regierung zufolge demnächst zurückziehen will.

Israel wirft Arafat seit langem vor, sich nicht gegen gewalttätige Gruppen unter den Palästinensern durchzusetzen, und dies besonders im Gaza-Streifen. Innerhalb der Palästinenser nimmt zudem der Druck auf Arafat zu, politische Reformen zuzulassen und die alte Führungsgarde nicht weiter zu bevorzugen.

„Wir haben der Palästinenser-Regierung drei Jahre Zeit gegeben, um Reformen umzusetzen. Wir haben eine lange Zeit gewartet. Aber sie haben nichts getan. Nun erledigen wir dies auf unsere Weise“, erklärte ein Sprecher der Entführer von den bislang kaum bekannten Dschenin-Märtyrer-Brigaden im arabischen Fernsehsender Al-Dschasira. Al-Dschabali war seit rund zehn Jahren Polizeichef im Gaza-Streifen und unter den dortigen Bewohnern höchst unbeliebt, wurde von Arafat bislang aber immer in Schutz genommen. Arafat habe auch der Forderung der Entführer nachgegeben, Al-Dschabali wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht zu stellen, sagte der Vertreter der Palästinenser-Behörde. Offiziellen Angaben zufolge verlangten sie auch die Beschlagnahme des privaten Vermögens ihrer Geisel.

„Ghasi Dschabali wurde entführt, um ihn für seine Fehler gegen unser Volk zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte der Sprecher der Entführer. Mehr als zehn Mann hatten das Fahrzeug des Polizeichefs Augenzeugen zufolge auf der Küstenstraße des Gaza-Streifens abgedrängt, beschossen und Al-Dschabali in ihre Gewalt gebracht. Vertreter Arafats nahmen anschließend Verhandlungen mit den Entführern auf, die sich ins Flüchtlingslager Al-Bureidsch zurückgezogen hatten. Nach drei Stunden kam Al-Dschabali wieder frei.

Seit Israels Ankündigung seines Rückzugs hat die Gewalt im Gaza-Streifen zugenommen. Verschiedene gewalttätige Gruppen versuchen sich Einfluss und Macht für die Zeit nach einem israelischen Abzug zu sichern. Israel hat wiederholt davor gewarnt, dass das Gebiet ins Chaos abgleiten könne, und seine Einsätze gegen gewalttätige Gruppen in den vergangenen Wochen verstärkt.

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