Arbeitslose sind Rekrutierungspool für Aufständische
US-Militärs wollen Jobs für Iraker schaffen

Die US-Militärkommandeure im Irak ändern ihre Taktik gegenüber der irakischen Zivilbevölkerung: Um breite Bevölkerungsschichten für die neue Regierung in Bagdad zu gewinnen, wollen einzelne US-Generäle in großem Maßstab irakische Arbeiter für eine Vielzahl kleinerer Wiederaufbauprojekte einstellen.

sia BAGDAD. Bislang kümmerten sich die US-Zivilverwaltung und private Unternehmen um den Wiederaufbau. Das US-Militär konzentrierte sich dagegen bislang auf den Kampf gegen die Aufständischen im Land und das Sammeln von Geheimdienstinformationen. Das soll sich jetzt ändern: Das Militär wolle sich stärker in den Wiederaufbau einmischen, sagte der Generalmajor der ersten Kavalleriedivision, Peter Chiarelli, dem Wall Street Journal.

Für ihn ist die verbleibende Zeit bis zur Machtübergabe am 30. Juni „Wahlkampf“, um „die Menschen im Irak davon zu überzeugen, dass wir ihr Leben leichter machen können“. In diesem Wahlkampf gehe es hauptsächlich um Kanalisation, Sanitärsysteme, Elektrizität und Jobs. Allein in einem Bagdader Armenbezirk will er mindestens 15 000 arbeitslose Iraker einstellen, die beim Wiederaufbau der Straßen und Elektrizitätsanlagen in ihrem Bezirk helfen sollen. Bis zu 240 Mill. $ will er dafür aufwenden.

Mehr Lebensqualität soll Stabilität sichern

Dieses Geld hatte der US-Verwalter im Irak, Paul Bremer, bisher für Großprojekte der provisorischen Zivilverwaltung zurückgehalten. Doch auf Druck des Pentagons, wo man Erfolge beim Wiederaufbau fordert und Unruhen im Irak eindämmen will, willigte Bremer ein, das Geld den Militärkommandeuren für individuelle Wiederaufbauprojekte freizugeben.

Chiarelli glaubt, dass kleinere Projekte auf breiter Basis schneller die Lebensqualität vieler Iraker verbessern können als die von Privatunternehmen betreuten Großprojekte. „Je mehr Dollar wir in diese Projekte stecken, desto weniger meiner Soldaten werden angeschossen.“ Hinter diesem Strategiewechsel steht eine veränderte Auffassung über die Ursachen der Unruhen. Bisher vermutete das US-Militär hinter Aufständen frühere Saddam-Anhänger und ausländische Dschihad- Krieger. Doch nach Kämpfen in der sunnitischen Hochburg Falludschah und gegen Anhänger des schiitischen Geistlichen Muktada al Sadr sehen die US-Militärs nun besonders die unteren und mittleren Bevölkerungsschichten als Rekrutierungspool für Aufständische.

Aus diesen Schichten will General Chiarelli nun Zehntausende Iraker in Lohn und Brot bringen. Er bezeichnet die Mehrheit von ihnen als „Zaungäste“, die noch unentschlossen seien, ob sie nach der Machtübergabe am 30. Juni die neue Regierung oder die Aufständischen unterstützen wollen.

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