Armee-Angriff
Opposition berichtet von neuem Massaker in Syrien

Bei einem verheerenden Angriff der syrischen Armee sind mindestens siebzig Menschen getötet worden, darunter auch Kinder. Die Opposition spricht von über hundert Toten und fordert von der UN Sofortmaßnahmen.
  • 8

Beirut/Damaskus/New YorkUngeachtet der Präsenz von UN-Blauhelmen geht das Blutvergießen in Syrien offensichtlich weiter. Wie die Oppositionsgruppe Syrian Observatory for Human Rights im Internet schrieb, kamen allein bei einem „Massaker“ der syrischen Streitkräfte in Al-Hula in der Provinz Homs mehr als 110 Menschen ums Leben. Darunter seien 13 Kinder. Mindestens 300 Menschen seien verletzt worden, viele von ihnen schwer. Wie die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte, habe eine Massenflucht von Überlebenden aus Al-Hula ins Landesinnere eingesetzt. Die Nachrichten konnten wegen der Medienblockade des Regimes nicht überprüft werden. Der oppositionelle Syrische Nationalrat forderte die Einberufung des UN-Sicherheitsrates, um die Verantwortlichen für angebliche Massaker festzustellen.

Zudem hätten bei anderen Gewalttaten wenigstens 21 Menschen ihr Leben verloren. In der Provinz Hama etwa starben 14 Menschen durch Gewalt von Regierungstruppen, berichten Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad.

Syrische Truppen schossen am Freitag in der nördlichen Großstadt Aleppo mit scharfer Munition auf friedliche Demonstranten. Mindestens ein Kundgebungsteilnehmer starb, zahlreiche weitere wurden verletzt, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. In Aleppo sollen Zehntausende auf die Straße gegangen sein.

UN-Chef Ban Ki Moon warf der syrischen Armee in einem Brief an den Sicherheitsrat vor, den Einsatz schwerer Waffen in vielen Gegenden des Landes noch immer nicht eingestellt zu haben. Bei der Umsetzung des Friedensplanes gebe es lediglich „kleine Fortschritte in einigen Punkten“. Das Land werde weiter von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen beherrscht.

Ban Ki Moon sprach von einem „inakzeptablen Ausmaß von Gewalt und Misshandlungen“ der syrischen Regierung. Der Regierung von Präsiden Baschar Assad warf er in einem Bericht an den UN-Sicherheitsrat vor, weiter schwere Waffen einzusetzen und bezeichnete die schweren Menschenrechtsverletzungen durch Regierungstruppen und regierungsnahe Milizen als Folge des verschärften Vorgehens gegen Regierungsgegner.

Die Kämpfer der syrischen Opposition kontrollieren nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon inzwischen erhebliche Teile syrischer Städte. Die betroffenen Stadtteile stünden unter einer „De-Facto-Kontrolle“ durch Mitglieder der Opposition, erklärte Ban in einem neuen Bericht an den UN-Sicherheitsrat, der der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag. Die in Syrien stationierten UN-Beobachter hätten zudem von „erheblichen Zerstörungen“ in zahlreichen Städten berichtet.

Dem Bericht zufolge herrscht in dem arabischen Land insgesamt „eine Atmosphäre der Anspannung, des Misstrauens und der Angst“. Die anhaltende Krise sei von „Gewalt, sich verschlechternden humanitären Bedingungen, Menschenrechtsverletzungen und anhaltender politischer Konfrontation“ geprägt. Der UN-Sicherheitsrat will in der kommenden Woche über den Bericht beraten.

Seite 1:

Opposition berichtet von neuem Massaker in Syrien

Seite 2:

Opposition fordert Sondersitzung, Russen liefern Waffen

Kommentare zu " Armee-Angriff: Opposition berichtet von neuem Massaker in Syrien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mit Saddam hat der Westen, genauer gesagt der Christ Bush mit seiner Verbrecherbande, einen Mann gestürzt der dem Westen eigentlich wohl gesonnen war. Und was hat der Westen nun davon? Mehr Unsicherheit! Demokratie? Na, darüber lachen sogar die Hühner wenn Obama von Demokratie im Irak spricht.

    In Syrien ist die Lage ähnlich. Christen, Drusen, Shiiten und diverse andere Gruppen stehen hinter Assad. Lediglich die Sunniten sind gegen Assad und das auch nicht mehrheitlich. Der Westen würde gut daran tun, denn es wäre in seinem ureigenen Interesse, Assad massiv zu unterstützen.

  • Ich habe wenig Mitleid mit den von der syrischen Armee getöteten bewaffneten Söldner und Terroristen. Zu verantworten haben Sie es selber und Ihre Lieferanten und Finanzierer (sunnitische Diktatoren).
    Wer zur Waffe greift und Terror erzeugt muss nun mal damit rechnen bekämpft zu werden. Die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist nichts anderes als die von sunnitischen Diktatoren finanzierte Propaganda-Abteilung des Terrors. Kein Mensch will in Syrien den Steinzeit-Islam der Saudis in Syrien, erst recht nicht die syrischen Christen. Der Westen wird sich wundern wenn Assad stürzen sollte. Ban Ki Moon sollte sich nicht instrumentalisieren lassen und geduldig für den wahren Frieden, der mit Assad möglich und sinnvoll ist, eintreten.

  • Hier gibt's einen Blog eintrag dazu der diverse Arabische Zeitungen zitiert:

    http://staseve.wordpress.com/2011/11/17/syrien-tante-emma-laden-versorgt-die-weltpresse/

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%