Armee-Einsatz
Russland kündigt Manöver an der Ukraine-Grenze an

Als Reaktion auf die Gewalt in der Ukraine beginnt Russland ein neues Militärmanöver. An der Grenze zur Ukraine sind bereits mehrere zehntausend Soldaten stationiert. Grund sind auch die Entwicklungen am Vormittag.
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Moskau/SlawjanskAls Reaktion auf den ukrainischen Militäreinsatz im Osten des Landes hat Russland am Donnerstag neue Militärmanöver an der Grenze zur Ukraine angeordnet. Die Übungen in den Grenzregionen unter Beteiligung der Bataillone aus den „südlichen und westlichen Militärbezirken“ hätten bereits begonnen, zitierten russische Nachrichtenagenturen Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Russland sei „gezwungen, auf die Entwicklungen in der Ukraine zu reagieren“. Russland hat an der Grenze zur Ukraine mehrere zehntausend Soldaten stationiert. Sie hatten vor einigen Wochen in der Region bereits einmal ein Manöver abgehalten. Die ukrainische Zentralregierung und viele im Westen befürchten, dass Russland die Unruhen im Nachbarland als Vorwand für eine Militärintervention im Osten der Ukraine nutzen könnte.

Bereits am Vormittag hatte sich die Lage zugespitzt, als bei einem Schusswechsel nahe der ostukrainischen Stadt Slawjansk mindestens fünf prorussische Separatisten getötet worden. Ukrainische Spezialeinheiten eroberten dem Innenministerium in Kiew zufolge demnach bei einem „Anti-Terror-Einsatz“ drei Kontrollpunkte. Dabei sei auch ein Mitglied der Sicherheitskräfte verletzt worden.

Zuvor hatten auch Vertreter der moskautreuen „Volksmiliz“ von Gefechten berichtet. An weiteren Zugängen zu der Stadt im Norden des Gebiets Donezk gebe es ebenfalls Schusswechsel, sagte der selbst ernannte Milizchef Miroslaw Rudenko. Moskauer Staatsmedien zufolge stehen ukrainische Truppen wenige Kilometer vom Zentrum von Slawjansk entfernt, das von prorussischen Kräften kontrolliert wird. Hubschrauber seien in der Luft, Rauch stehe über der Stadt, hieß es.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat angesichts des ukrainischen Militäreinsatzes im Osten des Landes mit „Konsequenzen“ gedroht. Sollte Kiew in der Ostukraine tatsächlich das Militär gegen die Bevölkerung einsetzen, sei das ein „schweres Verbrechen am eigenen Volk“, sagte Putin am Donnerstag. Zuvor wurden bei dem Militäreinsatz im ostukrainischen Slawjansk nach Angaben aus Kiew mehrere prorussische Aktivisten getötet.

Im knapp 50 Kilometer südöstlich gelegenen Artjomowsk wehrten ukrainische Soldaten eine Offensive von etwa 100 Angreifern auf eines der größten Waffenlager der Ukraine ab. Die Unbekannten hätten die Kaserne unter anderem mit Granaten attackiert, sagte Interimspräsident Alexander Turtschinow in Kiew. Ein Soldat sei leicht verletzt worden, während die Angreifer „große Verluste“ erlitten hätten, sagte er. Unabhängige Berichte gab es nicht.

Russland rief zu „ernsthaften Verhandlungen“ in dem Konflikt auf. Nötig seien rasche Gespräche aller Seiten wie von Kremlchef Wladimir Putin gefordert, sagte Außenminister Sergej Lawrow in einer Rede in der Moskauer Universität MGIMO. Er nahm vor allem die EU und die USA in die Pflicht. Russland habe in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten in der Ukraine „Dutzende Milliarden US-Dollar“ investiert. Die Ukraine müsse nun als blockfreier Staat zu einem Bindeglied zwischen Russland und Westeuropa werden. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte der russische Leiter der Eurasischen Wirtschaftskommission, Viktor Christenko: „Niemand außer der Ukraine selbst hat das Land in die jetzige schreckliche Lage manövriert.“

Das vollständige Interview lesen Sie im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

US-Präsident Barack Obama sagte, die USA wollten sich zwar weiter um eine diplomatische Lösung in der Ukraine-Krise bemühen. Er schloss aber weitere Sanktionen gegen Russland nicht aus. Seine Regierung habe Vorbereitungen für die Möglichkeit getroffen, dass das Genfer Abkommen zwischen Russland, den USA und der EU sowie der Ukraine nicht die versprochenen Ergebnisse bringe, sagte Obama in Tokio.

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  • Der Westen zündelt und gibt die Sculd an Putin.
    Was für ein dreckiges Denken und Handeln.
    Man hat den Eindruck, eingie gefällt dr lage Frieden nicht, den wir in Europa ahben.
    Flinten-Uschi muß endlich mal irgendwo einmarschieren
    Ud Merkel? Die macht mal wieder ein Grillparty, diesmal mit Hollande. Dr Bürger darf es wieder zahlen
    Wann wachen denn die Deutschen endlich auf?

  • Wieso darf Russland seine Grenzen nicht schützen? Diese Armee kann dies. Nur unsere Bundswehr versagt überall total!! "Jugoslawien" und Afrika sind nur ein paar Beispiele, wo unser Geld für Drückeberger verschwendet wird! Wieso ist "Jugoslawien" immer noch von uns besetzt?

  • Aus deutscher Sicht, wohlgemerkt aus der des Volkes, könnte nichts besseres passieren, denn dann müssten die Deutschen nicht die Ukraine nach den EU-Wahlen auf Befehl der zahlungsunfähigen US-Amerikaner massiv finanzieren.
    Sollte der Russe einmarschieren wird es schnell und hart ablaufen, aber leider wird es keine mittelfristige oder gar längere russische Besatzung geben, so blöd ist der Russe nicht, der Westen soll schön auf eigene Kosten die marode Ukraine am Leben erhalten. Wer sich um Verletzte oder Fuß- und Leprakranke kümmern muss ist auch weniger flexibel und angriffslustig.

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