Armeechef droht mit Strafen
Israels Piloten wollen keine Zivilisten mehr töten

27 Piloten der israelischen Luftwaffe wollen keine Angriffe in den Palästinenser-Gebieten mehr fliegen. Sie bezeichnen die Angriffe, bei denen auch Zivilisten getötet wurden, als unmoralisch.

HB JERUSALEM. „Wir, Reserve- und aktive Piloten gleichermaßen, sind gegen die vorschriftswidrigen und unmoralischen Angriffe, wie sie von Israel in den Gebieten ausgeführt werden“, sagte ein Vertreter der Gruppe am Mittwochabend dem israelischen Fernsehsender Kanal 2. Die Luftwaffe ist an der Verfolgung und Tötung gewalttätiger Palästinenser beteiligt, die Israel seit einem der größten palästinensischen Selbstmordattentate Mitte August verstärkt hat. Es ist das erste Mal, dass sich in der Luftwaffe, der Elitetruppe der Armee, eine solche Gruppe von Dienstverweigerern gebildet hat. Der Gruppe gehören 27 Piloten an. Armeechef Mosche Jaalon drohte ihnen mit Strafen.

„Wir, die wir in Liebe zum Staat Israel erzogen wurden, ... weigern uns, an Luftangriffen auf dicht bevölkerte, zivile Zentren teilzunehmen“, sagte der Pilot im Fernsehen. „Wir weigern uns, weiter unschuldigen Zivilisten etwas anzutun.“ Den Angaben des Senders zufolge werden etwa die Hälfte der 27 Piloten ein- bis zweimal pro Woche im Westjordanland und im Gaza-Streifen eingesetzt. Reservepiloten können jederzeit zu Militäreinsätzen einberufen werden.

Die Armee hat seit Mitte August zwölf Mitglieder der gewalttätigen Gruppe Hamas gezielt getötet, meist mit Raketenangriffen aus der Luft. Dabei wurden auch Passanten und Nachbarn getötet und verletzt, die sich zufällig in der Nähe der Angegriffenen aufhielten. Die Armee hat mitgeteilt, bei der Auswahl ihrer Raketen und deren Schlagkraft verstärkt darauf zu achten, dass Zivilisten nicht gefährdet würden.

Die 27 Piloten erklärten ihre Verweigerung in einem Brief an den Kommandeur der Luftwaffe, Generalmajor Dan Halutz. Dieser spielte die Bedeutung der Gruppe herunter und sagte Radio Israel: „Wir reden über 27 von Tausenden von Piloten.“ Es handle sich um eine „unbedeutende, kleine Gruppe“, sagte auch ein anderer hochrangiger Vertreter der Luftwaffe. Armeechef Jaalon sagte, die Piloten könnten für ihre „ungesetzliche und verbotene Erklärung“ bestraft werden. „Wenn wir etwas (gegen sie) unternehmen müssen, dann tun wir das ... Wir müssen die Angelegenheit prüfen“, sagte er im Fernsehen.

In Israel gibt es keine Kriegsdienstverweigerung. Wer den Dienst dennoch verweigert, wird in Haft gesetzt. Seit dem Krieg im Libanon widersetzen sich immer wieder einzelne Soldaten oder Offiziere bestimmten Einsätzen gegen die Palästinenser.

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