Atomstreit
Experte plädiert für Kooperation mit Iran

Die europäische Debatte über Iran darf sich nach Einschätzung des Direktors der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Volker Perthes, nicht nur der Nuklearfrage und den Äußerungen von Präsident Ahmadinedschad zum Holocaust widmen.

HB BERLIN. "Europa sollte Iran weit reichende Formen der Zusammenarbeit in Aussicht stellen. Damit könnte man vor allem dessen an guten Beziehungen mit dem Rest der Welt interessierten technokratischen, intellektuellen und bürokratischen Eliten ansprechen", schreibt Perthes in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Europas langfristige Interessen im Verhältnis zu Iran, nicht zuletzt die energiepolitische Dimension, dürften nicht ignoriert werden. Iran sei, so Perthes, in vieler Hinsicht der am weitesten entwickelte Staat in der Golfregion - ein Schwellenland mit einer zwar vernachlässigten, aber ausbaufähigen industriellen Basis und mit einer im Vergleich zu seinen Nachbarn sehr gut ausgebildeten Bevölkerung. Außerdem verfüge Iran über rund 10 Prozent der globalen Öl- und mehr als 15 Prozent der Erdgasreserven.

Laut Perthes lässt sich der Atomstreit womöglich eher beilegen, wenn Iran überzeugt werden könnte, dass Europa tatsächlich an stabilen Beziehungen interessiert sei und das Land auch als das akzeptiere, was es einem weit reichenden inneriranischen Konsensus nach sein wolle: eine Ernst zu nehmende regionale Mittelmacht mit dem Potenzial, zum wichtigsten Partner Europas in Nahost zu werden. "Dafür muss man weder Ahmadinedschad einen roten Teppich ausrollen, noch muss man auf die Option verzichten, den Atomstreit vor den Uno-Sicherheitsrat zu bringen", schreibt Perthes.

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