Atomstreit
Iran lässt Inspekteure in Atomkomplex

Nach den Enthüllungen über eine bisher geheimgehaltene Nuklearanlage geht Iran wieder auf die internationale Gemeinschaft zu. Bei den Atomgesprächen mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland am Donnerstag in Genf sagte die iranische Regierung zu, die Einrichtung bei Ghom für Kontrollen zu öffnen.
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jdh/HB GENF. "In den nächsten Wochen" sollten Inspekteure der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) sich nach Iran aufmachen, teilte der EU-Außenbeauftragte Javier Solana nach dem Treffen der sechs Länder mit Irans Atomunterhändler Said Dschalili mit. Seit mehr als einem Jahr hatten sich die Parteien nicht mehr zusammengesetzt. Erstmals sprachen Unterhändler der USA und Irans direkt miteinander.

Diplomaten betonten, dass Iran die Anlage in Ghom gemäß seinen Verpflichtungen gegenüber der IAEA auf jeden Fall für Kontrolleure öffnen müsse. "Insofern ist es kein Zugeständnis der Iraner, aber sie sperren sich vorläufig nicht gegen Inspektionen", sagte ein Unterhändler. Auch Solana bewertete das Treffen eher zurückhaltend und sprach von einem neuen "Beginn". Neue Uno-Sanktionen gegen Teheran blieben als Option auf dem Tisch. Im Oktober soll weiter verhandelt werden.

Ferner soll Iran bestimmte Mengen Uran aus einem Teheraner Forschungsreaktor zur weiteren Anreicherung einem anderen Land übergeben und später wieder in Empfang nehmen. Die IAEA soll diesen Prozess koordinieren und beaufsichtigen. Uran kann je nach Anreicherungsgrad zum Betrieb von Kernreaktoren oder zum Bau von Atomwaffen verwendet werden. Der Westen drängt Teheran deshalb, ganz auf die Anreicherung zu verzichten und Nuklearbrennstoff im Ausland zu beziehen.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Auftakt der Gespräche als „konstruktiv“. Nun müsse die iranische Regierung aber auch durch „konstruktives Handeln“ deutlich machen, dass ihre nuklearen Ambitionen tatsächlich friedlichen Charakter haben, sagte Obama am Donnerstag in Washington. Die Geduld der USA sei „nicht unbegrenzt“. „Wir reden nicht, „nur um zu reden“, betonte er.

Der US-Präsident betonte das Recht des Irans, wie aller anderen Nationen, auf die friedliche Nutzung der Atomenergie. Dieses Recht sei aber auch mit Verantwortung verbunden. So müsse der Iran binnen zwei Wochen den Beobachtern der internationalen Atomenergiebehörde IAEA uneingeschränkten Zugang zu seiner im Bau befindlichen Urananreicherungsanlage in der Nähe der Stadt Ghom gewähren.

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