Atomstreit
Teheran lehnt Uno-Vorschläge kategorisch ab

Von Deeskalation keine Spur: Im Atomstreit mit dem Westen bleibt der Iran voll auf Konfrontationskurs. Am Samstag lehnte das Parlament in Teheran einen Vorschlag der Uno-Atomenergiebehörde strikt ab. Grund dafür ist unter anderem "tiefes Misstrauen" gegenüber der Westmächte.
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HB TEHERAN. Im Atomstreit mit dem Iran mehren sich die Anzeichen für ein Scheitern der internationalen Bemühungen zur Entschärfung des Konflikts. Ranghohe Abgeordnete des iranischen Parlament lehnten am Samstag den von der UN-Atomenergiebehörde (IAEA) ausgehandelten Vorschlag strikt ab.

"Die Forderung, dass wir unser gesamtes angereichertes Nuklearmaterial an andere Staaten abgeben sollen, damit diese den benötigten Brennstoff an Teheran liefern, kommt überhaupt nicht in Frage", sagte Kasem Dschalali der Agentur Ilna zufolge. Dschalali ist Sprecher des Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik. Der Vorsitzende des Ausschusses, Alaeddin Borudscherdi, äußerte ebenfalls seine Bedenken: "Wir hegen ein tiefes Misstrauen in den Beziehungen zum Westen." Der Vorschlag der IAEA sehe keine Garantien vor, dass der Iran das ausgelieferte Uran nach einer Anreicherung im Ausland tatsächlich wieder zurückerhalte.

Eine offizielle Antwort der iranischen Regierung zu dem Angebot steht seit mehr als einer Woche aus. Westlichen Diplomaten zufolge knüpft der Iran die Annahme des Vorschlags allerdings an eigene Bedingungen, die eine Einigung letztendlich unmöglich machen würden. So fordere die Islamische Republik, neuen atomaren Brennstoff für ihren Teheraner Reaktor zu erhalten, bevor sie eigenes Uran im Ausland anreichern ließe. Dies hielten die wichtigsten westlichen Staaten für inakzeptabel, sagten westliche Diplomaten am Freitag.

Der Kompromissvorschlag von IAEA-Chef Mohamed ElBaradei sieht vor, dass der Iran etwa 75 Prozent seiner Uran-Bestände von schätzungsweise 1,5 Tonnen in Russland anreichern und in Frankreich zu Brennstäben weiterverarbeiten lässt. Danach würde der Iran das auf knapp 20 Prozent angereicherte Material zurückbekommen. Der Iran hätte in diesem Fall für etwa ein Jahr zu wenig Uran für den Bau einer Atombombe, falls die Regierung in Teheran dies tatsächlich plant. Dadurch wäre mehr Zeit für weitere Verhandlungen der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran gewonnen.

Die sogenannte Sechser-Gruppe verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms den Bau von Nuklearwaffen anzustreben. Die Islamische Republik bestreitet dies, hat aber in den vergangenen Jahren auch nur zögerlich UN-Kontrollen an seinen Atomanlagen zugelassen.

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