Atomtest
Nordkorea provoziert weiter – mit Raketen

Nordkorea hat südkoreanischen Berichten zufolge nur kurz nach seinem weltweit verurteilten Atomtest drei Raketen mit kurzer Reichweite abgefeuert. Das Vorgehen der Staatsführung in Pjöngjang sorgte weltweit für Empörung. Der Weltsicherheitsrat kündigte eine Dringlichkeitssitzung an.

HB SEOUL. Dem Test einer Boden-Luft- Rakete habe Nordkorea zwei weitere Raketenstarts folgen lassen, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Diese beiden Raketen könnten den Zweck gehabt haben, US-Spionagejets von Flügen zur Beobachtung des Ortes im Nordosten des Landes abzuhalten, wo Nordkorea wahrscheinlich den unterirdischen Atomtest durchgeführt hat.

Das Verteidigungsministerium in Seoul bestätigte die Berichte über die Raketenstarts nicht. Auch weitere Details zum Typ der Raketen gab es zunächst nicht. Zuvor hatte Yonhap berichtet, die erste Testrakete habe eine Reichweite von schätzungsweise 130 Kilometern gehabt. Die nachfolgenden beiden Raketen seien von einer anderen Stelle an der Ostküste aus abgefeuert worden als die erste. Das Raketenprogramm Nordkoreas gilt neben dem Atomwaffenprogramm als große Bedrohung in der Region.

Nach Nordkoreas zweitem Atomtest wollte der Weltsicherheitsrat noch am Montagabend 2200 MESZ in New York zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Das kündigte eine Sprecherin der Vereinten Nationen am Morgen (Ortszeit) an. Nordkorea hatte Stunden zuvor seinen nach 2006 zweiten unterirdischen Atomtest unternommen und damit weltweit Besorgnis und Kritik ausgelöst. Südkorea und Japan hatten sofortige Beratungen des höchsten Uno-Gremiums gefordert.

Die Explosion am Montag hatte die Sprengkraft der Atombombe, die 1945 von den USA auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen worden war, meldete die russische Staatsagentur RIA Nowosti. Das kommunistische Pjöngjang hatte erst im April seinen unwiderruflichen Rückzug von den internationalen Verhandlungen über sein Atomwaffenprogramm erklärt und zugleich die vollständige Wiederaufnahme dieses Programmes angekündigt.

Grund dafür war die Verurteilung des Starts einer Rakete mit großer Reichweite in Nordkorea durch den Weltsicherheitsrat. Nordkorea verlangte vom Rat eine Entschuldigung und die Rücknahme von Sanktionen. Auf den ersten Atomtest in Nordkorea hatten die UN mit einer Reihe von Sanktionen reagiert.

US-Präsident Barack Obama reagierte mit scharfer Kritik auf den Atom- und die Raketentests. Er warf der Regierung in Pjöngjang vor, "rücksichtlos die internationale Gemeinschaft" herauszufordern. Die Gefahr, die von den nordkoreanischen Handlungen ausgehe, rechtfertige Reaktionen der internationalen Gemeinschaft, erklärte Obama. Dabei würden die USA mit ihren Partnern und Verbündeten Gespräche und auch Konsultationen mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats führen.

Für Obama bedeutet die Eskalation in Nordkorea einen weiteren Rückschlag in seiner ambitionieren Außenpolitik, weltweit Krisenregionen durch einen versöhnlicheren Ton zu beruhigen. Im Nahen Osten, in abgelegenen Regionen Pakistans und Afghanistans und in Iran haben sich die Konflikte zuletzt eher verschärft. Außenministerin Hillary Clinton hatte bereits resigniert davon gesprochen, dass konstruktive Verhandlungen mit Nordkorea „unrealistisch, wenn nicht gar unmöglich“ seien. Tatsächlich hatte Pjöngjang zuletzt ausgerechnet eine Drohung mit weiteren Strafen nach einem Raketentest in April zum Anlass für den Wiedereinstieg in sein Kernwaffenprogramm genommen.

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