Aufruhr gegen Sparpaket
Griechen bestreiken zwei Tage ihr Land

Das Maß für die Menschen in Griechenland scheint voll zu sein. Hunderttausende streiken gegen das neue schwere Sparprogramm. Es trifft wieder hauptsächlich die Rentner und Arbeitnehmer.
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AthenDie Geldgeber und die Regierung in Athen drehen noch einmal die Sparschraube fester. 13,5 Milliarden Euro sollen die Griechen bis 2014 einsparen. Aus Protest gegen Kürzungen von Renten und Gehältern haben am Dienstag umfangreiche Streiks in Griechenland begonnen. Am Mittwoch soll das Parlament über das umstrittene Sparprogramm abstimmen. Es wird mit vielen Abweichlern gerechnet.

Am Montagabend hatte die Regierung nach mehrmonatigen Verhandlungen mit den Geldgebern ihr neues Sparprogramm vorgelegt. Es sieht weitere Einschnitte bei den Bezügen von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst und beim Kindergeld vor.

Am schwersten trifft es die Rentner: Pensionen und Renten sollen zum viertel Mal innerhalb von drei Jahren gekürzt – diesmal zwischen 5 und 15 Prozent. Das Rentenalter wird von 65 auf 67 Jahre angehoben. Das Weihnachtsgeld für Rentner und Staatsbedienstete gestrichen werden. Die Gewerkschaften rechneten bereits aus, dass diese Kürzungen im Durchschnitt 2000 Euro Einkommensverluste für die Rentner bedeuten.

Die Durchschnittsrente liegt derzeit bei 617, der Durchschnittslohn bei 950 Euro. Die Arbeitgeber können Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer getrennt und unabhängig von Tarifverträgen schließen. „Es sind dramatische Änderungen. Wir kehren zu Zeiten zurück, wo es kaum Arbeitnehmerrechte gab“, kommentiert Savvas Robolis, Chef des Instituts für Arbeit des einflussreichen Gewerkschaftsverbandes des privaten Sektors (GSEE).

Auch die Staatsbediensteten sollen bis 20 Prozent ihres Einkommens verlieren. Der Chef einer Klinik soll beispielsweise künftig 1665 Euro monatlich verdienen. „Und damit glauben sie, dass sie Krankenhäuser betreiben werden“, sagte der Chef der Gynäkologischen Klinik von Athen, Giorgos Farmakidis.

Kommentare zu " Aufruhr gegen Sparpaket: Griechen bestreiken zwei Tage ihr Land"

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  • Und Europa schämt sich nicht …

    «Im Augenblick bedeutet arbeitslos sein in Griechenland den Tod», sagte Dr. Syrigos, ein imposanter Mann mit einem ernsten Auftreten, das sanft wurde, als er von der Notlage der Krebspatienten sprach.

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1173

    Die EU-Führung ist eine verbrecherische Clique, die in Den Haag vor Gericht gestellt werden sollte.

  • Im Artikel ist geschrieben : "Es trifft wieder hauptsächlich die Rentner und Arbeitnehmer".
    Falsch.
    Es muss heissen: "Es soll diesmal hauptsächlich die Rentner und Arbeitnehmer treffen".
    Denn umgesetzt von vollmundigen Versprechungen wird dort sowieso nix.
    Das Spielchen 1.) Gesetz beschlossen, 2.) EU schickt fett Milliarden 3.) nichts, aber auch gar nichts passiert
    wird solange geführt, bis es auch der Dümmste und Merkel kapieren.

  • Aber es ist klar das die beamten massive Einschnitte hinnehmen müssen...

    Seit 1911 ist es nicht mehr möglich, griechischen Beamte zu kündigen - so steht es in der Verfassung

    Pro Einwohner leistete sich das Land fünfmal mehr öffentlich Bedienstete als etwa Großbritannien. Der Apparat verschlang mehrere Dutzend Milliarden Euro im Jahr - Geld, das der Staat nie hatte. Das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands ist nur etwas höher als das von Hessen.

    Als die konservative Regierung im Herbst 2009 ankündigte, die Gehälter der damals fast 800.000 Staatsbediensteten einzufrieren, um Kosten zu sparen, brach ein Sturm der Entrüstung los.

    Vorsichtigen Schätzungen zufolge wird jeder vierte Arbeitnehmer von der öffentlichen Hand bezahlt.

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