Aufstände in Arabien
Panzer gegen Demonstranten in Bahrain

Die Toten im Jemen und Libyen häufen sich, die Gewalt in Bahrain eskaliert: Das Hauptquartier der US-Militärpolitik im Nahen Osten versinkt im Chaos - die USA verteilen schon Soforthilfe, um die Region zu stabilisieren.
  • 0

Manama/TripolisDie arabische Welt gerät nach den historischen Umwälzungen in Tunesien und Ägypten immer mehr in Aufruhr - und bedroht nun direkt die US-Militärpolitik im Nahen Osten: In Bahrain am Golf setzte die Herrscherfamilie am Donnerstag Soldaten ein, um Proteste zu unterdrücken. Bei der Räumung des Perlen-Platzes in der Hauptstadt Manama, den Demonstranten nach dem Vorbild des Tahrir-Platzes in Kairo besetzt hatten, wurden laut Regierungsangaben und Augenzeugen fünf Menschen getötet und mehr als 230 verletzt.

Nach Ansicht des saudiarabischen Prinzen Talal bin Abdul Asis könnten die Unruhen in der arabischen Welt auch gefährlich für die Herrschaft von König Abdullah werden, wenn dieser die Reformen in Saudi-Arabien nicht beschleunige. Abdul Asis, ein Halbbruder des Königs, erklärte am Donnerstag im Sender BBC Arabic, noch sei es nicht zu spät, um Proteste auch in Saudi-Arabien zu verhindern. Aber der König sei die einzige Person, die diese Veränderungen einleiten könne. Die Menschen liebten ihn. Wenn er nichts unternehme, könne es sehr gefährlich für das Land werden. Prinz Talal hatte sich auch früher schon für Reformen in seinem Land ausgesprochen. Er gilt manchen als Außenseiter in der königlichen Familie.

US-Außenministerin Hillary Clinton ist „tief besorgt“ über die Lage im Golfstaat Bahrain. Die USA verurteilten Gewalt gegen Demonstranten und unterstützten demokratische Reformen, sagte sie in Washington. Sie habe das Vorgehen der Sicherheitskräfte auch in einem Telefongespräch mit ihrem Amtskollegen, Chalid al-Chalifa, kritisiert und mit Blick auf mögliche weitere Proteste zur Mäßigung aufgerufen, sagte sie am Donnerstag.

Die Führung in Manama sei in der Pflicht, die Verantwortlichen für die massive Gewalt gegen friedliche Demonstranten zur Rechenschaft zu ziehen. US-Verteidigungsminister Robert Gates sprach mit Kronprinz Scheich Salman bin Hamad al-Chalifa über die Sicherheitslage in Bahrain, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Der Thronfolger ist Vizechef der Streitkräfte. „Keine Gewalt gegen Demonstranten“, rief auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle zur Zurückhaltung auf. Zusammenstöße wurden auch aus dem Jemen und Libyen gemeldet.

In Manama vertrieben Bereitschaftspolizisten mit äußerster Härte regierungskritische Demonstranten, die auf dem Platz seit Montag besetzt hielten. Nach der Räumung patrouillierten erstmals Soldaten und Panzer in der Hauptstadt. Das Parlament zu einer Krisensitzung zusammen. Aus Protest gegen die Gewalt seien 18 Parlamentsabgeordnete zurückgetreten, teilte ein Führer der schiitischen Oppositionspartei Wefak, Abdul Dschalil Chalil, mit. „Das ist wahrer Terrorismus“, sagte Abdul Dschalil Chalil. „Wer immer die Entscheidung zum Angriff getroffen hat, wollte töten." In Manama kam das öffentliche Leben am Donnerstag weitgehend zum Erliegen. Arbeiter wurden nicht in die Stadt gelassen, Banken und andere Geschäfte blieben geschlossen.

Noch am Abend sollten die Außenminister der arabischen Golf-Staaten in einer Dringlichkeitssitzung über die Unruhen in Bahrain und ihre Konsequenzen beraten. Ermutigt vom Machtwechsel
in Tunesien und Ägypten hatten Tausende Demonstranten in den vergangenen Tagen den Rücktritt der regierenden sunnitischen Königsfamilie gefordert. Die schiitische Bevölkerungsmehrheit beklagt, dass sie in dem vor Saudi-Arabien gelegenen Inselstaat vom Wohnungsmarkt, Gesundheitswesen und von Jobs im öffentlichen Dienst ausgeschlossen werde.

Gestützt wird die Führung in Bahrain von Saudi-Arabien und den USA, die in der Herrscherfamilie ein Bollwerk gegen den schiitischen Iran sehen. Den USA muss der Aufruhr in dem kleinen Insel-Königreich größte Sorgen bereiten: Denn in Bahrain hat die 5. Flotte der US-Marine ihr Hauptquartier: Sie ist der verlängerte Arm der amerikanischen Militärmacht am Golf - und damit der Dreh- und Angelpunkt der US-Politik im Nahen Osten. Sollte Bahrains Regierung wie in Tunesien und Ägypten von einer Revolution fortgespült werden, hätte Amerika nicht nur große Sorge, sondern ein ernstes Problem.

Um die Lage zu stabilisieren, bieten die USA Ägypten 150 Millionen Dollar (110 Millionen Euro) Soforthilfe. Amerika stehe bereit, Ägypten bei demokratischen Reformen und bei der wirtschaftlichen Erholung zu unterstützen, sagte Außenministerin Hillary Clinton in Washington. „Es ist klar, das es eine Menge zu tun gibt“, meinte Clinton am Donnerstag.

Seite 1:

Panzer gegen Demonstranten in Bahrain

Seite 2:

Kommentare zu " Aufstände in Arabien: Panzer gegen Demonstranten in Bahrain"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%