Aus für South Stream
„Das war's. Das Projekt ist geschlossen“

Putin hat den Bau der Gasleitung South Stream gestoppt – und wendet sich stärker der Türkei zu. Betroffen sind nicht nur osteuropäische Länder – auch deutsche Konzerne sind geschäftlich bei der Pipeline dabei.
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DüsseldorfDie Entscheidung Russlands, den Bau der Gasleitung South Stream zu stoppen, schlägt hohe Wellen. Serbien bedauerte als enger Partner Russlands das Aus des Projekts. „Serbien war in keiner Weise an dieser Entscheidung beteiligt“, sagte Regierungschef Aleksandar Vucic am Dienstag dem Staatsfernsehen RTS. „Wir haben sieben Jahre in dieses Projekt investiert, aber wir zahlen jetzt den Preis für die Konflikte der Mächtigen“, ergänzte er. Vucic kündigte Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an, um den Kremlchef eventuell umzustimmen.

Putin hatte am Montagabend überraschend bekanntgegeben, dass Russland seine Pläne für den Bau der Erdgasleitung zur Versorgung Südeuropas aufgibt. Das Projekt sei durch die „Blockadehaltung“ der EU sinnlos geworden, sagte er. „Das war's. Das Projekt ist geschlossen“, betonte auch Gazprom-Chef Alexej Miller in Ankara. Als Alternative hätten Russland und die Türkei den Bau einer Offshore-Pipeline vereinbart.

Putin kritisierte scharf, dass sich vor allem Bulgarien auf Geheiß der EU querstelle. „Die Position der EU-Kommission ist nicht konstruktiv und entspricht nicht den Wirtschaftsinteressen Europas.“

Russlands Entscheidung zum Stopp von South Stream beweise die Wichtigkeit, Europas Energieversorgung auf viele verschiedene Quellen zu stützen, erklärte die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Kristalina Georgieva, in Brüssel. Zugleich wolle die Kommission die "neue Entwicklung" auf dem nächsten Treffen zu South Stream zwischen der EU, Bulgarien und den weiteren betroffenen EU-Staaten besprechen, erklärte Georgievas Kollege, der für Energie zuständige Vizekommissionspräsident Maros Sefcovic. Dieses Treffen solle "ungeachtet von Russlands Ankündigung, das Projekt zu stoppen", wie geplant Dienstag kommender Woche stattfinden.

Sofia hatte nach Bedenken aus Brüssel die Vorbereitung für den Bau des bulgarischen Abschnitts der South-Stream-Pipeline auf Eis gelegt, bis das Projekt im Einklang mit den EU-Regeln gebracht werde. Das einst kommunistische Balkanland hängt auch fast acht Jahre nach dem EU-Beitritt fast komplett von russischen Gaslieferungen ab.

Moskauer Medien zufolge hat Russland bisher rund 4,66 Mrd. Dollar (etwa 3,74 Mrd. Euro) in das Projekt investiert. Doch die Energiegroßmacht ist derzeit erheblich geschwächt, weil der Ölpreis sehr niedrig ist und die Konjunktur auch wegen der westlichen Sanktionen in der Ukrainekrise schwächelt. Beobachter schließen nicht aus, dass dies zur Entscheidung beigetragen haben könnte.

Durch die insgesamt 2380 Kilometer lange South-Stream-Leitung wollte Russland Gas durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort über Serbien bis nach Westeuropa pumpen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts hatten Kritiker des Projekts beklagt, dass die Leitung die nach Westen strebende Ukraine umgehe.

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  • Man könnte die Pipeline östlich von Istanbul über Land bis zum Marmarameer führen oder besser gleich zum Mittelmeer in der Gegend von Izmir.

  • Herr Schmidt,
    ich sage doch nicht umsonst schon lange, die EU, also Brüssel, ist nichts anderes eine hochkriminelle Gruppe.
    Mit Europa hat das schon lange nichts mehr zu tun
    Hinzu kommen die ganzen alten SED-Kader, die hetue in der CDU sitzen.

  • Herr Falk
    es wird Zeit, dass der dumme detusche Michl endlich mal voll aufgeklärt wird

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