Ausländer fürchten Übergriffe während WM
„Rassismus-Alarm in Deutschland“

Brutale Überfälle auf Ausländer in Deutschland sorgen kurz vor Beginn der Fußball-WM für hitzige Debatten in der internationalen Presse. Italienische Zeitungen berichten von einer „neonazistischen Aggression“ und "eindeutigem Rassismus". Vor allem beunruhigt: Einer der Angriffe ereignete sich an einem Platz Berlins, der viele Touristen anzieht.

HB BERLIN. Drei Männer mit schwarzer Kleidung, kahl rasierten Schädeln, offenbar aus der Skinhead-Szene stammend, fangen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg einen Italienier ab. Sie beschimpfen ihn als "Scheiß Ausländer" und schlagen ihn mit einem Baseballschläger krankenhausreif.

Der Angriff, verübt am Sonntag mitten im touristischen Berlin, stürzt Deutschland kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in eine neue Debatte über Rassismus und Fremdenhass. Seit zehn Jahren ist der aus Sardinien stammende 34-jährige Gianni Congia in Deutschland, seit drei Jahren lebt er in Berlin. Besonders brisant: Der Ort des Überfalls an der Schönhauser Allee galt bislang als relativ sicherer Ort für Ausländer. Das Szeneviertel im Ostteil der Stadt mit seinen restaurierten Altbauten bietet viel Kultur und hat sich zum Anziehungspunkt auch für internationales Publikum entwickelt.

Umso schockierender wirkt die Meldung von dem Überfall. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) versprach, „alles zu tun, um die Täter ausfindig zu machen und einer Bestrafung zuzuführen“. Er fügte hinzu: „Solche Taten beschämen Berlin und sind absolut nicht zu tolerieren.“

Der Übergriff in Berlin war nicht die einzige fremdenfeindliche Tat am vergangenen Wochenende. Ebenfalls vermutlich aus rassistischen Motiven hatten zwei unbekannte Männer in der thüringischen Stadt Eisenach einen 34 Jahre alten Tunesier verletzt. Nach Angaben der Polizei war er auf dem Nachhauseweg wie der Italienier in Berlin nach seiner Herkunft befragt und daraufhin geschlagen worden. Die Täter wurden als muskulös und glatzköpfig beschrieben.

„Neonazis zeigen sich immer offener“

Die Überfälle schlagen auch im Ausland hohe Wellen. Italienische Medien kommentierten teilweise heftig: „Rassismus-Alarm in Deutschland – Italiener in Berlin von Skinheads verprügelt“, titelt die seriöse Turiner Tageszeitung „La Stampa“. Auch der „Corriere Della Sera“ und „La Repubblica“, die anderen beiden großen nationalen Tageszeitungen, räumen der Meldung viel Platz ein. Garniert ist sie in allen Zeitungen und auch bei der italienischen Nachrichtenagentur ANSA mit eindeutigen Fotos:Sie alle zeigen glatzköpfige Neonazis mit großen Fahnen beim Aufmarsch. „Das ist eindeutig Rassismus“, schreibt der „Corriere“. „Sonst sind die Opfer dunkelhäutige Menschen wie der äthiopische Ingenieur Ermyas M. in Potsdam“, schreibt „La Stampa“, „und jetzt ist es sogar einem Italiener passiert. Noch 27 Tage bis zur WM und die Neonazis zeigen sich immer offener und werden immer brutaler.“

Am ausführlichsten informiert „La Stampa“ seine Leser: „Die ausländerfeindlichen Aggressionen sind fast alle im Osten Deutschlands, wo die extreme Rechte nach der Wiedervereinigung immer stärker geworden ist.“ Autorin Marina Verna zitiert Innenminister Wolfgang Schäuble, für den Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus eine Konsequenz der Isolierung der damaligen DDR seien, denn dort hätte man keine Kontakte mit anderen Völkern gehabt.

Nach Angaben des Experten und früheren Polizeibeamten Bernd Walter seien die ökonomische Instabilität und die hohe Arbeitslosigkeit der Grund für fremdenfeindliches verhalten. Die internationale Liga für Menschenrechte habe für farbige Fußballfans, die nach Berlin kommen, einen „Katalog der Vorsichtsmaßnahmen“ vorbereitet, schreibt „La Stampa“: „Darin stehen No-Go-Areas, Plätze, Kneipen und U-Bahn-Stationen, wo sich Neonazis treffen.“

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