Ausland lobt Merkel für Flüchtlingspolitik
Wie aus der „Zerstörerin Europas“ eine Heldin wird

„Licht der Nationen“, „das gute Gesicht“: Deutschlands Offenheit den Flüchtlingen gegenüber verändert das Bild des Landes im Ausland. Angela Merkel wird gefeiert. Doch nicht jeder kann sich damit anfreunden.
  • 282

Es ist eine Hommage an die deutsche Bundeskanzlerin, die diese Woche in der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ zu lesen ist: „Deutschland, Licht für die Nationen der Welt“, so die Überschrift des Leitartikels. Der Tenor: Angela Merkel beweise, dass man aus der Geschichte lernen könne. Sie habe die Tore Berlins für all die Flüchtlinge geöffnet, die dem Tod entflohen seien. „Gut für dich, Deutschland.“

Ob in Israel, in Amerika oder innerhalb Europas: Die Bilder eines Deutschlands, in dem jubelnde Menschen Flüchtlinge willkommen heißen und mit Spenden überhäufen, gehen um die Welt. Eine deutsche Kanzlerin, die Grenzen öffnet, statt Ländern wie Griechenland Sparsamkeit zu predigen, das rüttelt an Stereotypen.

Italiens Medien beschäftigen sich seit Tagen mit diesem seltsamen neuen Deutschland. In der Griechenland-Krise wurde Merkel gerne mit der Pickelhaube dargestellt. Jetzt versuchen die Medien, den Wandel der deutschen Seele zu erklären. Der „Corriere della Sera“ widmet dem Phänomen eine ganze Seite unter dem Titel „Der deutsche Geist“. „La Repubblica“ schreibt: „Der Wandel der Merkel: Berlin wählt das gute Gesicht“.

Besagte Angela Merkel, zunächst im Inland für ihren verzagten Umgang mit dem Flüchtlingsstrom gescholten, nutzt das positive Echo auf ihren Schwenk, um Druck auf andere Staaten zu machen. „Wir müssen jetzt einfach anpacken und alle Hindernisse aus dem Weg räumen“, sagte sie in dieser Woche bei ihrer Rede im Bundestag. „Wenn wir mutig sind und manchmal vorangehen, dann wird es wahrscheinlicher, dass wir eine europäische Lösung finden.“

Merkels Öffnung der Grenze lasse andere Regierungschefs als „Parodien einer männlichen, flachen und unmenschlichen Macht“ dastehen, schreibt Deutschland-Kenner Carlo Bastasin in „Il Sole 24 Ore“. Ganz ähnlich sieht dies die „Washington Post“: „Frau Merkels Antwort auf die Krise war ein Lichtblick in einer ansonsten trostlosen Umgebung, einem Bild der Schande, das auch die USA einschließt, die bisher weniger als 1000 Syrer aufgenommen haben.“

Es gibt auch Kommentare, die davor warnen, dass sich Deutschland übernehmen könnte. Es bestehe die Gefahr, dass das Wohlfahrtssystem unter der Last der Einwanderer zusammenbreche, schreibt etwa die Gratiszeitung „Israel Heute“, die Premier Benjamin Netanjahu nahe steht. Merkel hätte dann eine Zunahme rechtsradikaler Kräfte zu verantworten, sind in Israel einige mahnende Stimmen zu hören.

Kommentare zu " Ausland lobt Merkel für Flüchtlingspolitik: Wie aus der „Zerstörerin Europas“ eine Heldin wird"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wir haben keine Verfassung sondern lediglich ein Grundgesetz, für die Verfassung müsste das Volk mal den Po... ausm Sessel bekommen! Also vergiss es...Hollywood ist noch wichtiger.

  • Wenn ich europäische Nachrichten schaue, schlägt Frau Merkel eher Unverständniss entgegen.

  • Wir müssen dafür Sorgen dass jeder Mensch in Würde leben kann! Sagte jüngst die Kanzlerin.
    Ist es würdig mit Suppenküchen und Kleiderkammern leben zu müssen!
    Rentner die in Mülltonnen nach Pfandflaschen suchen? Würde?
    Kinder die in Suppenküchen die einzige warme nahrhafte Mahlzeit am Tag bekommen, ist das würdig?
    Der Mittelstand schrumpft, die deutsche Armut nimmt zu, die Schere zwischen Arm und reich wird immer größer!
    Noch nehmen die Deutschen diese Verhältnisse mit Würde hin!
    Schön auch dass für die zunehmende Zahl der armen Deutschen genügend bezahlbarer Wohnraum geschaffen wurde und geschaffen wird!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%