Auswärtiges Amt
Reisewarnung für Ägypten verschärft

Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Ägypten „dringend“ ab. Die Tourismusbranche spürt die Auswirkungen der Unruhen derweil noch nicht. Doch das könnte sich schon bald ändern.
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Berlin/ParisAngesichts der jüngsten Entwicklung in Ägypten hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise am Sonntag weiter verschärft. Auf der Internet-Seite des Ministeriums heißt es nun wörtlich: „Von Reisen nach Ägypten wird in der aktuellen Lage vor dem Hintergrund der sehr volatilen Sicherheitslage dringend abgeraten.“ Dies betreffe nun auch Reisen in das Nildelta. Ausgenommen davon sind Reisen in die Touristengebiete am Roten Meer sowie nach Luxor und Assuan. Auch der Transit über den Flughafen Kairo gilt als sicher.

Hingegen wird vor Reisen ins ägyptisch-israelische Grenzgebiet sowie in den Nordsinai und in das Grenzgebiet zu Libyen ausdrücklich gewarnt. Grundsätzlich empfiehlt das Außenministerium allen Ägypten-Touristen, die Nachrichten genau zu verfolgen und Menschenansammlungen zu meiden. Zudem sei wegen der Krise seit einigen Monaten ein genereller Anstieg der Kriminalität zu beobachten, was sich zum Beispiel bei Überfällen auf Autos bemerkbar mache.

Die Tourismusbranche in Ägypten muss wegen der Unruhen ihren Traum von der Rückkehr zu früheren Besucherrekorden vermutlich begraben: Zog es 2010 noch mehr als 14 Millionen Urlaubsreisende dank Sonne, Strand und Pyramiden nach Ägypten, brachte der Arabische Frühling im Jahr darauf erst Machthaber Husni Mubarak zu Fall und dann die Urlaubslust zum Erliegen – ein Alptraum für die Tourismusbranche, die zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung ernährt.

Erst vergangenes Jahr kehrten die Urlauber nach und nach auf die Spuren der Pharaonen zurück, darunter vor allem Russen, Briten und immerhin 1,2 Millionen Deutsche. Das Jahr 2013 begann hoffnungsvoll: Von Januar bis Mai zog es offiziellen Angaben zufolge 4,9 Millionen Touristen nach Kairo, Luxor und anderswo in den bevölkerungsreichsten arabischen Staat. Schon Ende April waren 80 Prozent der Hotelbetten am Roten Meer für die Sommersaison vorgebucht.

Ägypten schwang sich also gerade wieder auf zu den Höhen des Jahres 2010, vielleicht sogar darüber hinaus – und wurde durch die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern der entmachteten Staatsführung um Präsident Mohammed Mursi abrupt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Der führende deutsche Reiseveranstalter TUI beteuert gleichwohl, dass am Roten Meer auch weiterhin „ganz normale Ferien zu verbringen“ seien und dort von Unruhen „absolut nichts zu spüren ist“. Für Kairo gelte indes bis Montag ein vorläufiger Buchungsstopp. Auch Lufthansa spricht – zumindest offiziell – von weiterhin „guter“ Nachfrage und „vollen“ Flugzeugen. Und Air Berlin nimmt nach eigenen Angaben ebenfalls „keine Folgen“ der politischen Turbulenzen und tödlichen Ausschreitungen in Ägypten wahr.

In Großbritannien, wo die Reiseveranstalter Thomson und First Choice in Luxor untergebrachte Touristen zurück in die Heimat fliegen ließen, ist die Stimmung weniger entspannt. Auch einige französische Tourismuskonzerne haben Reisen nach Kairo, in die altägyptische Stadt Heliopolis und auf den Sinai vorerst ausgesetzt, mehrere Kunden von Thomas Cook Frankreich nahmen „ungefährlichere“ Alternativangebote des Unternehmens an. Der italienische Tourismusverband Fiavet verzeichnete bislang gar ein Fünftel Stornierungen, besonders für Kairo und die populären Nilkreuzfahrten.

Die Russen indes, für die Ägypten das zweitbeliebteste Urlaubsziel überhaupt ist, bekamen von ihrer Regierung bloß aufgetragen, Massenversammlungen zu meiden und am besten fernab jeglichen Konfliktpotenzials am Hotelpool zu bleiben. „Es gibt keine Stornierungen“, versicherte eine Sprecherin des russischen Verbands der Reiseveranstalter. Zwar sei die Welle neuer Buchungen etwas abgeebbt, aber: „Alle Flüge nach Ägypten sind bis zum 10. Juli voll.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Pervers? die Menschen sterben auch wenn man in Deutschland sitzt und nichts unternimmt um die Demokratie und die Freiheit der Ägypter zu unterstützen.

  • pervers, am stand liegen, cocktails schlürfen, während jeden tag menschen sterben und die gewalt eskaliert. viel spass allen ägypten reisenden...

  • 16.4.13: Boston
    29.3.2010: Moskau
    7.7.2005: London
    11.3.2004: Madrid
    20.3.1995: Tokio

    ... Und So Weiter.
    Dann bleibt doch zu Hause. Oh, Moment:
    http://www.tz-online.de/service/gesundheit/allgemein/gefaehrlicher-haushalt-2240016.html

    :-D

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