Bagdad im Alarmzustand
Saddam Hussein soll am Galgen enden

Der frühere irakische Präsident Saddam Hussein ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt worden.

HB BAGDAD. Das Sondertribunal in Bagdad befand ihn am Sonntag in Verfahren um ein 1982 verübtes Massaker an 148 Schiiten für schuldig. Auch ein Halbbruder und ein früherer Richter sollen gehängt werden, falls die Berufungen gegen das Urteil scheitert. Vier weitere Mitangeklagte erhielten lange Haftstrafen. Saddam wollte zur Urteilsverkündung zunächst nicht aufstehen. Dann erhob er sich und rief: „Gott ist groß (...) Land lebe die Nation“, wobei er den Richter fast übertönte.

Vielerorts im Irak feierten Menschen das Urteil auf den Straßen, während bei Gefechten zwischen Sunniten und Schiiten nach Angaben der Polizei mindestens fünf Menschen starben. Während die irakische Regierung und die USA das Urteil begrüßten, kritisierte die Menschenrechtsorganisation amnesty international den Prozess als nicht fair.

„Das Gericht hat entschieden, Saddam Hussein al-Madschid wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dazu zu verurteilen, gehängt zu werden, bis der Tod eintritt“, verlas Richter Rauf Abdul Rahman das Urteil in einem der spektakulärsten politischen Prozesse seit den Nürnberger Prozessen vor rund 60 Jahren. Der Richter ignorierte damit einen Appell Saddams, bei einem Schuldspruch nicht durch den Strang, sondern durch Erschießen hingerichtet zu werden.

Auch Saddams Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti und der frühere Vorsitzende des Revolutionsgerichtes, Auad Hamed al-Bander, erhielten die Todesstrafe. Ex-Vize-Präsident Taha Jassin Ramadan wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Drei Mitglieder der Baath-Partei müssen wegen vorsätzlicher Tötung und Folter für jeweils 15 Jahre ins Gefängnis. Ein vierter Baath-Vertreter wurde wegen Mangels Beweisen freigesprochen.

Nach der Bekanntgabe der Urteile wurden die Männer abgeführt. Nach der rund 45-minütigen Sitzung schloss Abdul Rahman den seit rund einem Jahr andauernden Prozess. Ob und wann die Urteile vollstreckt werden, ist unklar. Ein Todesurteil und eine lebenslange Haftstrafe ziehen nach irakischem Recht automatisch ein Berufungsverfahren nach sich. Sind alle Berufungsmöglichkeiten ausgeschöpft, muss das Urteil binnen 30 Tagen vollstreckt werden. Es gibt keine Vorschrift für die Dauer eines Berufungsverfahrens. Saddam droht auch in einem zweiten Prozess wegen Völkermords an Kurden die Todesstrafe.

Seite 1:

Saddam Hussein soll am Galgen enden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%