Bahnverbindung Indien - Pakistan
65 Menschen sterben im „Friedenszug“

Vermutlich islamische Extremisten haben in der Nacht zu Montag einen der wenigen Schnellzüge, die von Indien nach Pakistan fahren, in Brand gesetzt. 65 Menschen starben, 30 sind verletzt worden. Die Passagiere hatten kaum eine Chance zu entkommen.

HB DEWANA/INDIEN. Zu dem Anschlag kam es gegen Mitternacht bei dem indischen Ort Panipat, rund 100 Kilometer von Neu Delhi entfernt, wie die Behörden in der Nacht zu Montag mitteilten. Bomben explodierten und lösten ein Feuer aus. Die meisten Passagiere schliefen zur Zeit der Detonationen. Zwei Wagen des Schnellzugs brannten bei dem Anschlag völlig aus. In zwei weiteren Wagen wurden Brandsätze gefunden, die nicht explodierten.

Die meisten Opfer seien Pakistanis, sagte Prem Prashant von der Regierung des Bundesstaates Haryana. Unter den Toten seien aber auch einige indische Sicherheitskräfte. Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh äußerte sich „bestürzt und besorgt“ über den Anschlag und versprach, dass die Täter gefasst würden.

Das Innenministerium in Neu-Delhi sprach von einem Angriff mit dem Ziel, „den Friedensprozess zwischen Indien und Pakistan zu stören“. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zu dem für Dienstag geplanten Indien-Besuch des pakistanischen Außenministers Khursheed Kasuri. Eisenbahnminister Lalu Prasad machte islamische Extremisten für die Tat verantwortlich. Auch die pakistanische Regierung verurteilte den Anschlag.

Der auch „Friedenszug“ genannte „Samjhauta Express“ ist eine von nur zwei Bahnverbindung zwischen den verfeindeten Atommächten Indien und Pakistan. „Samjhauta“ bedeutet in der Hindi-Sprache Verständigung oder Übereinkunft. Die Eisenbahnlinie war 1976 eröffnet, nach dem Anschlag auf das indische Parlament 2001 aber gesperrt worden. Die Wiedereröffnung der Bahnlinie war Teil der vertrauensbildenden Maßnahmen im Anfang 2004 begonnenen Friedensprozess zwischen den Nachbarländern. Der Zug fährt von Neu-Delhi in die Grenzstation Atari. Dort können die Fahrgäste in einen pakistanischen Zug umsteigen, der sie weiter ins Nachbarland bringt.

Auf dem indischen Abschnitt der Strecke bleiben Fenster des Zuges aus Sicherheitsgründen geschlossen – und sind zusätzlich vergittert. Vermutlich war den Fahrgästen bei dem Brand deshalb der Fluchtweg versperrt.

Nicht der erste Anschlag

Im Juli vergangenen Jahres wurden bei Bombenanschlägen auf Pendlerzüge in Bombay mehr als 200 Menschen getötet. 2002 kamen 60 Hindu-Pilger bei einem Zugbrand im Unionsstaat Gujarat ums Leben. Bei anschließenden Unruhen wurden mehr als 1 000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Muslime.

Etwa 84 Prozent der mehr als 1 Milliarde Inder sind Hindus, die Muslime stellen einen Bevölkerungsanteil von etwa 14 Prozent. Ein jahrzehntelanger Brandherd ist Kaschmir, wo im indischen Teil der Region mehr als zwölf Untergrundgruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss an Pakistan kämpfen.

Die Europäische Union hat die Bombenanschläge auf den Zug von Indien nach Pakistan scharf verurteilt und die beiden Atommächte zur Fortsetzung des Friedensprozesses aufgerufen. „Der Friedensprozess darf keinesfalls entgleisen“, sagte EU- Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Montag am Rande ihres Besuches in Neu Delhi. Es sei wichtig, die Versöhnung und die vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen den beiden südasiatischen Nachbarländern fortzusetzen.

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