Banken und Konzerne geben sich gelassen
Verhaftung Chodorkowskijs lässt deutsche Investoren kalt

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich vom Vorgehen der russischen Strafverfolger gegen den Ölkonzern Yukos und seinen Chef Michail Chodorkowskij weitgehend unbeeindruckt.

cs/hps/mwb/chp DÜSSELDORF. Die Unternehmen glauben nicht an eine Rücknahme der Privatisierungen in Russland. „Ich sehe keine so starken Auswirkungen für deutsche Investoren. Vor allzu großer Panikmache muss gewarnt werden“, sagte Oliver Wieck, Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, dem Handelsblatt. Von großer Verunsicherung sei nichts zu spüren. „Wir verfolgen die Entwicklungen sehr genau. Aus unserer Sicht ergibt sich aber keinen Änderungsbedarf“, bestätigt Peter Presber vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Auch die Unternehmen geben sich gelassen. Hans-Joachim Körber, Vorstandschef der Düsseldorfer Metro AG, äußerte sogar ein gewisses Verständnis für das harte Vorgehen der russischen Regierung gegen die mächtigen Oligarchen im Land. Die Politik, so Körber, sei offenbar gezwungen, wegen der sozialen Spannungen zwischen der breiten Bevölkerung und der reichen Oberschicht vermittelnd eingreifen. Russland-Experte Wieck sieht noch ein weiteres Motiv für die Vorgehensweise des Kremls: „Der Energie- und Rohstoffsektor ist ein sensibler Bereich. Der russische Staat will hier seinen Einfluss auch künftig gewahrt wissen.“

Auch die Banken machen sich bisher keine große Sorgen. „Das ist ein Sturm im Wasserglas", sagt der Russland-Experte einer deutschen Großbank. Auch die Commerzbank gibt sich gelassen: „Die russische Regierung wird sicherlich alles tun, um eventuell zerschlagenes Porzellan zu reparieren.“

Unter den deutschen Banken ist die Hypo-Vereinsbank (HVB) in Russland stark engagiert. Sie hält 40 % an der International Moskow Bank, der größten ausländischen Bank in Russland – mit einer Bilanzsumme von 2,5 Mrd. $ und 900 Mitarbeitern. Die Münchener sehen kein zusätzliches Risiko durch die von Putin ausgelösten Turbulenzen am Finanzmarkt. Die Bayerische Landesbank hingegen ist in den letzten Jahren in Russland vorsichtiger geworden: Das Institut hat sein Engagement seit 2001 halbiert. Der Sprecher wollte aber keine exakte Höhe nennen.

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