Barcelona
Attentäter planten offenbar Sprengstoffanschlag

Zwölf Personen gehörten nach Ansicht der Ermittler der Terrorzelle an. Fünf wurden in Cambrils getötet, vier sind in Haft und drei gelten als vermisst. Vermutlich kamen mindestens zwei von ihnen in Alcanar ums Leben.
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BarcelonaNach dem Anschlag von Barcelona legen die Ermittler immer mehr Einzelheiten über die verantwortliche Terrorzelle offen. Ihr hätten zwölf Männer – teilweise noch Jugendliche – angehört, sagte Polizeichef Josep Lluis Trapero am Sonntag auf einer Pressekonferenz. In ihrem Stützpunkt in Alcanar lagerten sie demnach mehr als 100 Butangasflaschen, mit denen sie offenbar einen noch verheerenderen Anschlag verüben wollten.

Diese Pläne hätten sich jedoch zerschlagen, als es in dem Haus am Mittwoch versehentlich zu einer Explosion kam, hieß es von der Polizei. Möglicherweise kamen zwei Mitglieder der Zelle dabei ums Leben. Darunter könnte nach Ansicht der Ermittler auch der Imam Abdelbaki Es Satty gewesen sein.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag beschäftigt die Ermittler ein weiterer mysteriöser Todesfall. Bisher sei man aber nicht in der Lage gewesen, eine Verbindung des Opfers zu den mutmaßlichen Terroristen herzustellen, sagte Polizeichef Josep Lluis Trapero am Sonntag. Der Tote war in einem Auto gefunden worden, das kurz nach der Terrorattacke auf den Ramblas eine Polizeisperre durchbrochen hatte und schließlich von der Polizei mit Schüssen gestoppt worden war. Allerdings war der Tote offenbar nicht der Fahrer. Er habe auf dem Rücksitz gesessen und keine Schusswunde gehabt, sagte Trapero. Es werde untersucht, ob der Mann möglicherweise ein weiteres Opfer der Terrorzelle gewesen sei und der Fahrer nach den Schüssen der Polizei geflüchtet sei.

Es wird vermutet, dass der Imam Abdelbaki Es Satty in seiner Moschee in der Kleinstadt Ripoll die jungen Attentäter radikalisierte und damit der ideologische Kopf der Zelle gewesen ist. Das wollte Trapero allerdings nicht bestätigen.

Zweite Hauptfigur der Zelle war nach Ansicht der Ermittler der 22-jährige Younes Abouyaaquoub, nach dem immer noch gesucht wird. Nach spanischen Medienberichten soll er auch den Lieferwagen gelenkt haben, der am vergangenen Donnerstag über die Ramblas gerast war. Das sei zwar eine Theorie der Ermittler, zweifelsfrei bestätigen könne er aber nicht, dass Abouyaaquoub der Fahrer war, sagte Trapero.

Der Polizei gelang es, drei Mietwagen zu Abouyaaquoubs Kreditkarte zurückzuverfolgen. Ein Polizist, der seinen Namen nicht nennen wollte, erklärte, einer der Mietwagen sei für den Anschlag in Barcelona benutzt worden. Der zweite sei in Vic gefunden worden, etwa 70 Kilometer nördlich von Barcelona, der dritte in Ripoll. Die Polizei vermutet, dass die Attentäter die Fahrzeuge ursprünglich mit den Gasflaschen und dem Sprengstoff TATP beladen wollten.

Stattdessen fuhr einer von ihnen über die Ramblas in Barcelona, fünf weitere in den Küstenort Cambrils. Wie die Zeitung „El Pais“ berichtete, gehen die Ermittler mittlerweile davon aus, dass sie dort keine Auto-Attacke planten, sondern mit Messern und Äxten Passanten ermorden wollten. Weil ihr Wagen kontrolliert wurden, seien sie davon gerast und hätten auf der Flucht Passanten überfahren, berichtete das Blatt. Eine Spanierin starb dabei.

Auch alle 13 Opfer von Barcelona wurden mittlerweile von Behörden und Angehörigen identifiziert. Es handelte sich um vier Spanier, darunter ein Dreijähriger, drei Italiener, zwei Portugiesinnen, einen Amerikaner, einen Kanadier, eine Belgierin und einen siebenjährigen australischen Jungen, der seit Donnerstag als vermisst gegolten hatte.

Mit einer Messe in der Basilika Sagrada Família erinnerte Barcelona am Sonntag an die Opfer der Terroranschläge. Zur Messe erschienen der spanische König Felipe und seine Ehefrau, Ministerpräsident Mariano Rajoy und der katalanische Präsident Carles Puigdemont.

Angehörige und Nachbarn der mutmaßlichen Attentäter erklärten, sie seien schockiert von den Nachrichten. Alle jungen Männer stammten aus Ripoll. Sie seien gut integriert gewesen, hätten Spanisch und Katalanisch gesprochen. Die Mutter eines mutmaßlichen Angreifers, Halima Hychami, erklärte, ihr Sohn habe ihr gesagt, er fahre in den Urlaub und werde am 25. August zurückkommen. Sein jüngerer Bruder soll ebenfalls Teil der Zelle gewesen sein.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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