Baskenland
Der lange Weg in die Unabhängigkeit

Er sollte eine entscheidende Rolle im Gespräch über Frieden im Baskenland spielen: Der Gründer der baskischen Terrorgruppe Eta, Julen Madariaga. Am Dienstag ist er festgenommen worden. Ein herber Rückschlag für die Organisation, die ihren politischen Zielen ganz nahe schien.

SAINT-JEAN-DE-LUZ. Der Mann hat bewegte Zeiten hinter sich. Während der spanischen Diktatur unter Franco gründet Julen Madariaga die Jugendorganisation Ekin, einen Vorläufer der Eta, einer Terrorgruppe, die seit Ende der 60er-Jahre versucht, die Unabhängigkeit des Baskenlandes vom spanischen Staat mit Gewalt durchzusetzen. Madariaga ist ein Revolutionär, ein Terrorist. Immer wieder riskiert er sein Leben, flüchtet nach Chile und Frankreich, sitzt mehrfach im Gefängnis.

Doch das ist Vergangenheit. Seit 20 Jahren lebt Madariaga in einem idyllischen Holzhaus im französischen Baskenland, in der Nähe von Saint-Jean-de-Luz, vier Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. „Der Demarkationslinie“, wie er sie nennt. Er genieße seine Vaterrolle, erzählte er jüngst. Das jüngste von vier Kindern ist gerade sechs.

Seit Dienstag ist es allerdings mit dieser Idylle vorbei. Der 74-Jährige ist mit elf Eta-Sympathisanten festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, der Eta beim Eintreiben der „Revolutionssteuer“ geholfen zu haben. Geld, das von baskischen Unternehmen erpresst wird, um den „Freiheitskampf“ zu finanzieren.

Diese Aktion ist der Polizei wenige Tage vor Beginn neuer Friedensgespräche mit der Eta gelungen – ein Rückschlag für die Terrororganisation, die sich ihren politischen Zielen nach 50 Jahren Terror näher wähnte als jemals zuvor. Am 24. März trat der Gewaltverzicht der Eta in Kraft. Die Terroristen haben mehr als 800 Tote auf dem Gewissen. „Gewalt ist kein Weg mehr“, sagt auch Madariaga inzwischen. Nach der Diktatur Francos habe Eta trotz der wachsenden Gewaltanwendung noch einen breiten Rückhalt in der baskischen Bevölkerung genossen. Das habe sich Mitte der 80er-Jahre geändert, als die Eta Autobomben einsetzte.

Madariaga versuchte den Aufstand, wollte einen politischen Wandel innerhalb der Eta einleiten. Es gelang ihm nicht. Er verließ daher die Terrorgruppe offiziell und gründete im Jahr 2000 seine eigene Partei Aralar. Die Nähe zu den Terroristen blieb bestehen, aber die Polizei ließ ihn weitgehend in Ruhe, bis Dienstag.

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