Beförderungsaffäre des Weltbank-Chefs
Wolfowitz gerät immer mehr unter Druck

Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz wollte sich eigentlich einen Namen als Korruptionsbekämpfer machen. Doch nun steht er selbst am Pranger. Die Personalvertretung wirft dem Chef vor, aktiv die Beförderung seiner Lebensgefährtin, die ebenfalls in der Institution arbeitet, betrieben zu haben.

HB WASHINGTON. Wolfowitz gerät in der Affäre immer stärker in Bedrängnis. Die Personalvertretung der Entwicklungshilfeorganisation forderte am Donnerstag (Ortszeit) den 63-Jährigen zum Rücktritt auf. Der Exekutivrat der Institution erklärte, die umstrittenen Bedingungen des Postenwechsels seien weder vom Ethikausschuss oder dem Rat selbst kommentiert, geprüft oder gebilligt worden. Das Weiße Haus stärkte Wolfowitz unterdessen den Rücken. „Der Präsident (George W. Bush) hat Vertrauen in Paul Wolfowitz und seine Arbeit bei der Weltbank“, sagte Sprecherin Dana Perino am Freitag.

In einer Erklärung der Personalvertretung der Bank hieß es hingegen, Wolfowitz müsse zur Kenntnis nehmen, „dass sein Verhalten die Integrität und Effektivität der Weltbank gefährdet und das Vertrauen in seine Führung zerstört hat“. Er müsse „ehrenvoll handeln und zurücktreten“. Der Exekutivrat der Weltbank solle auf internationaler Ebene einen neuen Präsidenten suchen.

Wolfowitz' Partnerin, die bereits in der Öffentlichkeitsabteilung der Entwicklungshilfeorganisation arbeitete, hatte nach seinem Amtsantritt 2005 einen höher gestellten Posten und eine beträchtliche Gehaltserhöhung erhalten, die den Regeln der Bank widerspricht. Der Weltbank-Chef hatte sich daraufhin am Donnerstag öffentlich entschuldigt und Fehler zugegeben. Rückblickend betrachtet hätte er sich aus den Verhandlungen über den Postenwechsel heraushalten sollen, sagte Wolfowitz. Er werde in der Angelegenheit jeder Empfehlung des Weltbank-Exekutivrates folgen, die an ihn herangetragen werde, beteuerte der Weltbank-Präsident.

Der Exekutivrat kündigte an, „schleunigst“ eine Entscheidung in der Angelegenheit zu fällen. Dabei würden alle „wichtigen Gesichtspunkte mit Blick auf die Führung der Weltbank“ in Erwägung gezogen, hieß es. Den Angaben des Gremiums zufolge hatte Wolfowitz vor seinem Amtsantritt den Exekutivrat von einem möglichen Interessenkonflikt unterrichtet, da nach den Regeln der Bank Vorgesetzte und Untergebene keine „romatische Beziehungen“ pflegen dürfen. Der Ethikausschuss habe daraufhin die informelle Empfehlung einer Versetzung von Wolfowitz' Lebensgefährtin ausgesprochen.

Die Affäre gilt als besonders pikant, da Wolfowitz seit seinem Amtsantritt vehement für die Bekämpfung von Korruption und Vetternwirtschaft eintritt. Aus der Weltbank hieß es, die Angelegenheit berge ein „hohes Reputationsrisiko“ für die Institution. Am Wochenende kommen Weltbank und Internationaler Währungsfonds in Washington zu ihrer Frühjahrstagung zusammen.

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